Perserreich: Die erste Weltmacht

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Perserreich: Die erste Weltmacht
Perserreich: Die erste Weltmacht
 
Am dritten Tag des Monats Arahsamna in seinem siebzehnten Regierungsjahr ist Kyros II., den die Griechen dann den Gro√üen nannten, der K√∂nig der Perser, unter dem Jubel der Bev√∂lkerung als Sieger √ľber Nabonid, den Herrscher des Neubabylonischen Reiches, in die Residenzstadt Babylon eingezogen. Auch wenn die Stadt schon siebzehn Tage vorher (am 12. Oktober) in die Hand der anr√ľckenden Perserstreitmacht gefallen war, so ist doch dieser Tag, der 29. Oktober 539 v. Chr., das symbolische Datum f√ľr den Untergang des Neubabylonischen Reiches. Damit waren Mesopotamien und das ¬ĽLand jenseits des Flusses¬ę, wie die Gegenden zwischen Euphrat und Mittelmeer bis an die √§gyptische Grenze aus mesopotamischer Sicht genannt wurden, Teil jenes Gro√üreiches geworden, das Kyros II. binnen eines Jahrzehnts errichtet hatte und das nun vom Mittelmeer bis zum Oxus (Amudarja) und vom Bosporus bis zum Persischen Golf reichte. Ein solches Reich hatte es zuvor noch nie gegeben, und man durfte es mit Recht ein Weltreich nennen, da es doch alle fr√ľheren kulturm√§chtigen Staaten des Alten Vorderasien in sich einschloss und damit alle vorher existierenden Reiche an Gr√∂√üe weit √ľbertraf.
 
Erst wenige Jahre zuvor, im Herbst und Winter 547/546, hatte Kyros den Westen Kleinasiens jenseits des Halys (K…™z…™l…™rmak) erobert, als er siegreich geblieben war √ľber Kr√∂sus, den sagenhaft reichen K√∂nig des Lyderreiches, und dann auch √ľber Karer, Lykier und Griechen. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot schildert in seinen ¬ĽHistorien¬ę (1,53‚ÄĒ85) den Untergang des Lyderreiches. Durch die Angliederung des Mederreiches grenzte das Perserreich im Nordwesten an den Halys, den Grenzfluss zu Lydien. Kr√∂sus, der fast ganz Kleinasien westlich dieses Flusses beherrschte, war von der Antwort des delphischen Orakels, ¬Ľwenn er √ľber den Halys gehe, werde er ein gro√ües Reich zerst√∂ren¬ę (Aristoteles, Rhetorik 3,5), ermutigt und r√ľstete zu einem Eroberungszug gegen das zu Kyros' Reich geh√∂rende Kappadokien. Er √ľberschritt den Halys. Nach einer ersten schweren, aber ohne Entscheidung gebliebenen Schlacht zogen sich beide Heere zur√ľck, da die Jahreszeit schon weit fortgeschritten war und man seinerzeit nur einj√§hrige Sommerfeldz√ľge zu f√ľhren pflegte. Kyros √ľberlegte es sich dann aber anders, verfolgte Kr√∂sus und konnte schlie√ülich dessen Hauptstadt, das belagerte Sardes, st√ľrmen. So hatte Kr√∂sus sein eigenes gro√ües Reich zerst√∂rt.
 
Aber begonnen hat der Aufstieg des Perserk√∂nigs Kyros II., aus dem Geschlecht der Ach√§meniden, schon im Jahr 550 v. Chr.: Da ist es ihm, der seit 559 √ľber die St√§mme des Perservolkes herrschte, n√§mlich gelungen, die Oberherrschaft des Mederk√∂nigs Astyages, nach Herodot seines Gro√üvaters m√ľtterlicherseits, abzusch√ľtteln und sich selbst zum Herrn √ľber das von diesem beherrschte gro√üe Medische Reich aufzuschwingen. Wie sich dieser Machtwechsel vollzog, wissen wir nicht. Durch Kyros jedenfalls wurden die Perser zu den politischen Erben der Meder. Und Kyros ist der erste Perserk√∂nig, der in voller Unabh√§ngigkeit souver√§n herrschen konnte.
 
Die Meder ‚ÄĒ Ein Volk im Schatten der Geschichte
 
Das Volk der Meder ist, √§hnlich wie das der stammesverwandten Perser ‚ÄĒ beide geh√∂ren zu der gro√üen, weit verzweigten V√∂lkerfamilie der Iranier ‚ÄĒ, im 9. Jahrhundert v. Chr. in die durch schriftliche Quellen beleuchtete Geschichte eingetreten: In assyrischen Nachrichten jener Zeit, zuerst in den Annalen des K√∂nigs Salmanassar III. f√ľr das Jahr 836 v. Chr., werden neben den Persern, die damals nicht allzu weit vom Urmiasee entfernt ans√§ssig waren, auch medische St√§mme genannt. Der assyrische K√∂nig zog gegen die Krieger dieser St√§mme zu Felde. Da eine Vielzahl von Anf√ľhrern genannt wird, haben diese offenbar, auch wenn sie ¬ĽK√∂nige¬ę hei√üen, nur kleinere Kontingente befehligt. Allenfalls werden diese Gruppen wohl einen lockeren Stammesverbund gebildet haben.
 
√úber die Schicksale der Meder in den folgenden Jahrhunderten schweigen die Quellen zwar nicht v√∂llig, aber die arch√§ologischen sind oft recht unsicher, und die Text√ľberlieferung ist nicht sehr ergiebig: Assyrische und babylonische Texte bezeugen praktisch nur die Anwesenheit der Meder im Norden des Zagrosgebirges, und das einzige literarische Zeugnis f√ľr das Mederreich, auf das man sich berufen kann, ist Herodot (vor allem 1, 95‚ÄĒ107).
 
Die Meder mussten jedenfalls zum Teil und zeitweise die Oberherrschaft der Assyrer anerkennen und bildeten erst sp√§ter, wenn man Herodot Glauben schenken darf, einen eigenen Staat: Danach ist es einem gewissen Deiokes in der ersten H√§lfte des 7. Jahrhunderts gelungen, die Macht √ľber die Meder an sich zu rei√üen, die zuvor in zahlreichen kleinen separaten und selbstst√§ndigen Verb√§nden gelebt hatten. Deiokes gilt mit dieser Tat als Begr√ľnder der medischen K√∂nigsdynastie. Er soll auch Ekbatana, das vom heutigen Hamadan √ľberbaut ist, zu einer starken Festung und zum Zentrum seines Reiches ausgebaut haben.
 
Deiokes' Sohn und Nachfolger Phraortes unterwarf die Perser und f√ľhrte Attacken gegen die Assyrer. Doch sein Versuch, die Abh√§ngigkeit von diesen zu √ľberwinden, scheiterte, und er selbst fiel um 625 v. Chr. in Assyrien. Inzwischen war aus dem Norden eine neue Gefahr erstanden, als die wilden Reiternomadenst√§mme der Skythen und Kimmerier in das Iranische Hochland einfielen. Kyaxares, Phraortes' Sohn und Nachfolger, konnte die Skythen endlich absch√ľtteln und wieder Handlungsfreiheit und Unabh√§ngigkeit gewinnen; auch die Perser hatten unter ihren K√∂nigen Kyros I. und Kambyses I. die Suprematie des Mederk√∂nigs Kyaxares anzuerkennen. Kyaxares besiegte dann auch die Assyrer, gegen die er wiederholt zu Felde zog, um den Tod seines Vaters zu r√§chen: Im Jahr 614 eroberten die Meder Assur, zwei Jahre sp√§ter Ninive, und so fiel das Assyrische Reich beim vereinten Ansturm von Medern und Babyloniern endg√ľltig zusammen. Zuletzt gelang es Kyaxares 585 v. Chr. kurz vor seinem Tod schlie√ülich auch, das Reich Urartu, das seit der Mitte des 9. Jahrhunderts im Armenischen Hochland bestanden hatte, samt seiner Hauptstadt Tuschpa am Vansee zu erobern, wodurch der Halys die Westgrenze des Mederreiches nach Lydien hin wurde. F√ľr die Zeit des letzten Mederk√∂nigs Astyages ist an geschichtlichen Ereignissen nichts Bemerkenswertes zu notieren. Er hat die Beziehungen zu den persischen Vasallen durch verwandtschaftliche Bande besiegelt, als er seine Tochter Mandane dem Perserk√∂nig Kambyses I. zur Frau gab. Aus dieser Verbindung stammte dann der sp√§tere Perserk√∂nig Kyros II., an den er 550 v. Chr. sein Reich verlor.
 
Vom Tod Kyros'II. bis zur Ermordung Dareios'III. (530‚ÄĒ330 v. Chr.)
 
Dem Reichsgr√ľnder Kyros II., der wohl im August 530 v. Chr. auf einem Feldzug gegen die Saken in Mittelasien irgendwo zwischen Oxus und Iaxartes (Syrdarja) gefallen ist, folgte sein Sohn Kambyses II., der den Herrschaftsbereich nach S√ľdwesten hin ausdehnen konnte; Kambyses eroberte √Ągypten 525 v. Chr., nachdem er bei Pelusium den Pharao Psammetich III. samt seinen S√∂ldnern besiegt hatte, dazu dann Libyen und Nubien als Sicherheitsstreifen. W√§hrend seiner Abwesenheit erhob sich 522 ein medischer Magier namens Gaumata, der sich f√ľr Kambyses' Bruder Smerdis ausgab, den dieser als potenziellen Rivalen vor seinem Aufbruch nach √Ągypten beseitigt hatte. Als er von dem Thronraub durch den Magier erfuhr, eilte Kambyses sofort zur√ľck. Unterwegs zog sich der Perserk√∂nig allerdings eine Wunde zu, an der er starb; Herodot erz√§hlt, dass beim Aufsitzen auf sein Pferd sein blankes Schwert in seinen Schenkel gedrungen sei.
 
Dem aus einer Nebenlinie der Ach√§meniden stammenden Dareios, der in der Leibwache des Kambyses gedient hat, aber keinen besonderen Rang bekleidet zu haben scheint, gelang es zusammen mit sechs Gleichgesinnten, Gaumata am 29. September 522 v. Chr. zu beseitigen. Weitere Aufst√§nde konnte Dareios I., wie er in der Inschrift neben dem Relief am Felsen von Bisutun ausf√ľhrlich schildert, im Laufe des folgenden Jahres niederwerfen, sodass Kyros' Reich erhalten blieb.
 
F√ľr den Bestand dieses Vielv√∂lkerstaates, der unter Dareios I. den H√∂hepunkt seiner Macht erlebte, war von gr√∂√üter Bedeutung die von Dareios neu geordnete und straff organisierte, zentralistische Reichsverwaltung, in die wir durch Tausende elamischer Buchungst√§felchen, die in Persepolis ausgegraben wurden, einigen Einblick gewinnen. Mit seiner Expansionspolitik hat Dareios zun√§chst ebenso Erfolg gehabt wie seine beiden Vorg√§nger, als es ihm gelang, ¬ĽIndien¬ę, das Land entlang des Indus, und Sogdien zu unterwerfen und auf europ√§ischem Boden in Thrakien und Makedonien Fu√ü zu fassen. Ein neuer Aspekt in Dareios' Politik war der, dass sie ganz unverkennbar auch maritim orientiert war: Er lie√ü den Seeweg von der Indusm√ľndung l√§ngs des Persischen Golfes erkunden und ebenso den Seeweg rund um die Arabische Halbinsel bis ins Rote Meer, und er brachte das alte √§gyptische Projekt eines Kanals vom Roten Meer zum Nil, das schon der Pharao Necho II. um 600 v. Chr. verfolgt hatte, zu einem erfolgreichen Abschluss. Auf einer der Inschriftstelen, die an diesem Kanal aufgestellt wurden, r√ľhmt der Perserk√∂nig, dass ¬Ľdieser Kanal gegraben wurde, so wie ich es befohlen habe, und Schiffe von √Ągypten durch diesen Kanal nach Persien fuhren, so wie es mein Wunsch war¬ę.
 
Mit den Eroberungen unter Dareios I. hatte das Perserreich seine gr√∂√üte Ausdehnung erreicht. Doch als er dann Griechenland angriff ‚ÄĒ die in urs√§chlichem Zusammenhang mit dem Ionischen Aufstand von 494 v. Chr. stehenden Perserkriege werden an anderem Ort dargestellt ‚ÄĒ, stie√ü er erstmals an seine Grenzen und scheiterte 490 bei Marathon. Auch der erneute Versuch seines Sohnes und Nachfolgers Xerxes I. zehn Jahre sp√§ter, eine Invasion in Griechenland zu wagen, misslang: Seine Flotte wurde 480 bei Salamis, das Landheer im Jahr danach bei Plataiai entscheidend geschlagen.
 
Mit Artaxerxes I., unter dem es 449 v. Chr. im Kalliasfrieden mit Athen zu einer Abgrenzung der Interessensph√§ren kam, setzte der allm√§hliche, sich √ľber mehr als hundert Jahre hinziehende Niedergang des Reiches ein: Brudermord, Verschw√∂rungen sowie Komplotte von Dienern und H√∂flingen, Haremsintrigen und Palastrevolutionen, familieninterne Rivalit√§ten, insbesondere jedoch mehrfache Aufst√§nde, vor allem in √Ągypten und Kleinasien, f√ľhrten zu einer Schw√§chung der Zentralgewalt und einem inneren Verfall des Reiches, die schlie√ülich immer rascher voranschritten. Eine Reihe ohnm√§chtiger K√∂nige vermochte den Herrschaftsanspruch, der erhoben wurde, einfach nicht √ľberall durchzusetzen; es geh√∂rte fast zur Tagesordnung, dass Gift- oder sonstige Mordanschl√§ge die Thronfolge regelten. Unter dem Ansturm Alexanders des Gro√üen und der Makedonen brach das Reich endlich zur Zeit Dareios'III. (336/335‚ÄĒ330 v. Chr.) wie ein t√∂nerner Koloss zusammen. Als Dareios III., der weder bei Issos (Herbst 333) ‚ÄĒ man erinnert sich aus der Schulzeit an den alten Merkspruch ¬Ľdrei, drei, drei, bei Issos Keilerei¬ę ‚ÄĒ noch bei Gaugamela (Herbst 331) dem Makedonenheer Paroli bieten konnte, in den Nordosten seines Reiches floh, den Alexander noch nicht erobert hatte, ist er ermordet worden. Damit fielen die Herrschaft der Ach√§meniden und das Perserreich endg√ľltig zusammen, und ein noch gr√∂√üeres Reich, das die Landmasse von der Adria bis zum Indus umfasste, trat dessen Erbe an. Allerdings w√§hrte das Reich Alexanders nur wenige Jahre.
 
Aus der Sicht der weltgeschichtlichen Gesamtentwicklung ist der herausragende Aspekt wohl der, dass die Ach√§meniden zum ersten Mal ein Modell gefunden haben f√ľr die zentralistische Beherrschung einer Vielzahl der unterschiedlichsten V√∂lker, zum Nutzen und Vorteil aller.
 
Das Geschlecht der Achämeniden: Wie war Dareios mit Kyros verwandt?
 
An der Spitze des Reiches standen K√∂nige, die aus dem Geschlecht der Ach√§meniden stammten, die ihren Namen nach dem Stammvater Ach√§menes trugen. √úber diesen gibt es zwar keine historischen Nachrichten, aber es scheint einigerma√üen plausibel, dass unter seiner F√ľhrung ‚ÄĒ er soll bis etwa 675 v. Chr. geherrscht haben ‚ÄĒ die S√ľdwanderung der Perser aus der Gegend um den Urmiasee dorthin stattgefunden hat, wo wir sie in geschichtlicher Zeit antreffen, in dem Raum um Pasargadai, Persepolis und Schiras. Dort haben sie in der Nachbarschaft der Elamer einen kleinen Staat gegr√ľndet, der schon in der Regierungszeit des K√∂nigs Teispes (Mitte des 7. Jahrhunderts) offenbar nach Elam hin erweitert werden konnte. Teispes hat n√§mlich als erster persischer Herrscher den Titel ¬ĽK√∂nig der Stadt Anschan¬ę getragen, was darauf hindeutet, dass das vorher zu Elam geh√∂rende Anschan, das beim heutigen Tell-e Malyan lokalisiert wird, jetzt mit der Persis verbunden bzw. Teil der Persis geworden war.
 
Die Abstammung von diesem legend√§ren Ahnherrn Ach√§menes berichten Dareios I. in der Bisutun-Inschrift, der ¬ĽK√∂nigin aller Keilinschriften¬ę, und die griechische Tradition seit Herodot √ľbereinstimmend. Dareios f√ľhrt gleich zu Beginn dieser Inschrift nach seiner Selbstvorstellung seinen Stammbaum bis auf Ach√§menes zur√ľck und folgert daraus, dass die Angeh√∂rigen seines Geschlechts aus diesem Grunde Ach√§meniden hie√üen: ¬ĽMein Vater (ist) Hystaspes, des Hystaspes Vater (ist) Arsames, des Arsames Vater (war) Ariaramnes, des Ariaramnes Vater (war) Teispes, des Teispes Vater (war) Ach√§menes.. .. Deshalb werden wir Ach√§meniden genannt¬ę (Spalte I, Zeile 4‚ÄĒ7). In nicht genau entsprechender Weise bezeichnet Herodot (7,11,2) Xerxes als ¬ĽNachkommen des Dareios, (des Sohnes) des Hystaspes, (des Sohnes) des Arsames, (des Sohnes) des Ariaramnes, (des Sohnes) des Teispes, (des Sohnes) des Kyros, (des Sohnes) des Kambyses, (des Sohnes) des Teispes, (des Sohnes) des Ach√§menes¬ę. Die Reihe Dareios ‚ÄĒ Hystaspes ‚ÄĒ Arsames ‚ÄĒ Ariaramnes ‚ÄĒ Teispes ‚ÄĒ Ach√§menes erscheint bei Herodot also gewisserma√üen ¬Ľgestreckt¬ę durch eine Folge Teispes ‚ÄĒ Kyros ‚ÄĒ Kambyses ‚ÄĒ Teispes.
 
Dar√ľber hinaus stehen uns aber f√ľr die √§ltere Zeit noch zwei akkadische Texte zur Verf√ľgung, die das Bild erg√§nzen und abrunden: Der ber√ľhmte babylonische Kyroszylinder enth√§lt ebenfalls eine ausf√ľhrliche Selbstvorstellung des K√∂nigs, die aber der uralten Tradition babylonischer K√∂nigsinschriften folgt; in ihr wird die Ahnenreihe des Kyros durch die Namen Kambyses ‚ÄĒ Kyros ‚ÄĒ Teispes bezeichnet. Diese Aussagen lassen sich mit den beiden zuvor angef√ľhrten Zeugnissen harmonisieren, wenn man zu zwei Annahmen bereit ist: Zum einen muss man voraussetzen, dass der von Dareios als vierter Vorfahr genannte ¬ĽTeispes, Vater des Ariaramnes¬ę, und der von Kyros(II.) als dritter Ahn genannte ¬ĽTeispes, Vater des Kyros(I.)¬ę, ein und dieselbe Person und folglich Ariaramnes und Kyros I. Br√ľder sind. Die zweite Annahme geht dahin, dass der herodotische Stammbaum, der ja von vornherein nur geringere Authentizit√§t beanspruchen darf, gewisserma√üen durch eine Addierung der eigentlich auf zwei Linien zu verteilenden Reihen und durch gleichzeitige Verk√ľrzung um einen doppelt auftretenden Namen zustande gekommen ist.
 
Noch √§lter ist schlie√ülich ein in Babylon gefundenes Fragment einer Inschrift des assyrischen K√∂nigs Assurbanipal aus dem Jahr 639 v. Chr., der dort seinen entscheidenden Sieg √ľber Elam und die Reaktionen der Nachbarn hierauf schildert. Dabei wird ¬ĽKyros, K√∂nig von Persien¬ę genannt, der seinen √§ltesten Sohn (namens Arukku) zum Zeichen der Unterwerfung nach Ninive geschickt hat. Dieser Kyros muss der auf dem Kyroszylinder genannte Gro√üvater des ¬Ľgro√üen¬ę Kyros, also Kyros'II., sein, sodass sich hier ein f√ľr die Erstellung des Stammbaums wichtiger chronologischer Fixpunkt ergibt, da dieser Kyros I. jedenfalls 639 v. Chr. in Persien regiert hat.
 
Eine f√ľr die fr√ľhe Geschichte der Ach√§meniden h√∂chst bedeutsame Information bietet im √úbrigen auch Dareios I. mit seiner inschriftlichen Feststellung: ¬ĽAcht aus meinem Geschlecht (gibt es), die vordem K√∂nige waren; ich (bin) der neunte¬ę (Bisutun, Spalte I, Zeile 9f.). Sein Vater Hystaspes ist nun sicher nicht K√∂nig gewesen, da dessen Vater Arsames bei Dareios' Thronbesteigung noch gelebt hat. Andererseits muss Arsames bei den genannten ¬Ľacht K√∂nigen¬ę gewiss mitgerechnet werden, da man sonst diese Zahl nicht erreicht. Um dieses Dilemma zu beseitigen, rechnet man gew√∂hnlich damit, dass die Herrschaftsbereiche der beiden Linien, die bestanden, seit nach Teispes' Tod dessen Reich unter Kyros I. und Ariaramnes aufgeteilt worden war, von Kyros II. wieder vereinigt worden sind. Dabei wird Arsames abgesetzt und wohl mit irgendeinem h√∂heren Staatsamt abgefunden worden sein. F√ľr diese Wiedervereinigung ist weder der Zeitpunkt noch sonst N√§heres bekannt; nachweisbar ist sie jedenfalls erst unter Kyros II., der in ein und demselben Text, der babylonischen Nabonidchronik, sowohl ¬ĽK√∂nig von Anschan¬ę als auch ¬ĽK√∂nig von Persien¬ę hei√üt.
 
Die Ach√§meniden erw√§hnt Herodot (1, 125, 3‚ÄĒ4) auch bei einer Aufz√§hlung der persischen St√§mme. Darunter seien die Pasargaden die t√ľchtigsten, und zu diesen geh√∂rte auch die Sippe der Ach√§meniden, aus der die K√∂nige stammen. Der Stammessitz der Pasargaden l√§sst sich aufgrund des Namens in der Gegend von Pasargadai und Persepolis, also im Herz der Persis, vermuten. Untermauert wird diese Annahme dadurch, dass neben den alten, von den Persern eroberten Hauptst√§dten Babylon, Susa und Ekbatana auch Persepolis mit seiner gro√üartigen Palastanlage eines der Reichszentren gewesen ist. Und wir werden darin weiter best√§rkt durch den griechischen Geographen Strabon (15, 3, 3), der bei der Beschreibung der Persis auch bemerkt, dass die Perserk√∂nige ihre Schatzkammer und ihre Grabm√§ler dort, in Persepolis bzw. dessen N√§he, gehabt haben, da ¬Ľdiese Pl√§tze weniger leicht zug√§nglich und zugleich ihre Stammsitze gewesen sind¬ę.
 
Die Quellen f√ľr die Geschichte des Perserreiches
 
Die bisherige Darstellung hat wohl schon recht deutlich gemacht, dass die Quellenlage es nicht immer gestattet, die Dinge in der gew√ľnschten Klarheit zu sehen, obwohl insgesamt eine betr√§chtliche Zahl weit gestreuter Quellen zur Verf√ľgung steht, insbesondere die Berichte antiker Autoren und die Erz√§hlungen verschiedener B√ľcher des Alten Testaments, aber auch authentische Quellen aus den Zentren des Reiches selbst mit den meist dreisprachigen K√∂nigsinschriften an der Spitze.
 
Diese Inschriften verwenden das Altpersische, offenbar die Muttersprache der Ach√§meniden, das Elamische als die alte Kultursprache der von diesen zuerst hinzueroberten Gebiete und als Drittes das Babylonische. Damit kn√ľpfen die Ach√§meniden als die legitimen Nachfolger der babylonischen und assyrischen K√∂nige auch in der Epigraphik an alte mesopotamische Traditionen an. Die √§lteste und zugleich auch die gr√∂√üte altpersische Inschrift ist die von Bisutun, f√ľr die die eigene altpersische Keilschrift erstmals verwendet worden ist. Die Entstehungsgeschichte des Monuments von Bisutun hat unumst√∂√üliche Gewissheit dar√ľber geschaffen, dass die urspr√ľngliche Planung nur Beschriftungen auf Elamisch vorgesehen und das Altpersische au√üer Betracht gelassen hatte. Auch in einer ersten Erweiterung wurde dann zwar das Babylonische ber√ľcksichtigt, aber noch immer nicht das Altpersische. Plausibel zu interpretieren ist dies nur so, dass man es bis dahin eben noch nicht gewohnt war, diese altpersische Sprache, obwohl sie doch die Muttersprache der K√∂nige war, zu schreiben. Und f√ľr eine dann recht √ľbereilte Einf√ľhrung der Schrift ‚ÄĒ infolge der sich √ľberst√ľrzenden Ereignisse nach der Usurpation des Gaumata ‚ÄĒ sprechen die Aufgabe des anf√§nglich befolgten Konzepts und einige strukturelle Schw√§chen des Schriftsystems selbst, die zeigen, dass man vor lauter Konzentration auf das Schreibenk√∂nnen die eindeutige Lesbarkeit des Geschriebenen vollst√§ndig vernachl√§ssigt hat. Diese dreisprachigen Inschriften sind auf die Sph√§re des K√∂nigs beschr√§nkt, und wie die altpersische Keilschrift dient das Altpersische, wie es uns in seiner stilisierten Form in den K√∂nigsinschriften entgegentritt, nur dem Prestige des K√∂nigs und seiner Repr√§sentation und ist damit die ¬ĽSprache des ach√§menidischen K√∂nigtums¬ę. Historische Bedeutung und Aussagekraft kommt aber blo√ü einigen Texten von Dareios I. und Xerxes I. zu, da von Artaxerxes I. an nicht nur die Zahl der Texte abnimmt, sondern diese auch fast nur noch aus Formeln bestehen, die einfach weitergeschleppt und oft nicht mehr voll verstanden wurden.
 
Das bedeutsamste Textzeugnis √ľberhaupt ist die Dareios-Inschrift von Bisutun an der alten Karawanenstra√üe, die von Mesopotamien √ľber den Zagros nach Hamadan f√ľhrt. Die Inschrift ist hoch oben an einer Felswand, f√ľr niemanden lesbar, neben einem gro√üen Triumphrelief eingemei√üelt und enth√§lt allein 414 Zeilen altpersischen Textes. Hervorzuheben sind ferner die beiden gr√∂√üeren bereits zu Lebzeiten des K√∂nigs angebrachten Inschriften an der Front des Felsgrabes Dareios'I. in Naksch-e Rostam bei Persepolis, deren untere wohl eine Art F√ľrstenspiegel darstellt, der die Charaktereigenschaften und Grunds√§tze eines ¬Ľidealen¬ę Herrschers zusammenfasst: Es ist klar, dass Dareios sich selbst so eingesch√§tzt hat. Unter den Bauinschriften ist die ausf√ľhrliche Schilderung des Palastbaus in Susa mit Abstand das interessanteste und kulturgeschichtlich aufschlussreichste Dokument, das die ¬Ľarbeitsteilige¬ę Mitwirkung s√§mtlicher Reichsv√∂lker an einer so gigantischen Aufgabe bezeugt. Der bemerkenswerteste Xerxestext ist eine persepolitanische Inschrift, die den Kampf des K√∂nigs gegen den Kult fremder sowie der alten, vorzarathustrischen G√∂tter zum Gegenstand hat, die als ¬ĽG√∂tzen¬ę (altpersisch ¬Ľdaiva¬ę) verteufelt werden. Auf welche G√∂tter dies aber im Einzelnen gem√ľnzt ist, l√§sst sich nicht sagen.
 
Unter den elamischen Quellen aus ach√§menidischer Zeit sind neben den elamischen Versionen der K√∂nigsinschriften die T√§felchen aus den Archiven von Susa und Persepolis zu nennen. Den gr√∂√üten Komplex bilden dabei die ¬ĽFortification Tablets¬ę vom nord√∂stlichen Befestigungswall der Persepolisterrasse, von denen bislang nur ein Teil publiziert ist (etwa 2100 St√ľck) und die in die Jahre 509‚ÄĒ494 v. Chr. geh√∂ren. Dem Inhalt nach sind es Buchungen √ľber den Ein- und Ausgang von Getreide, Mehl, √Ėl, Wein, Bier, Obst, Gefl√ľgel sowie Klein- und Gro√üvieh, die etwa als Rationen an Arbeiter, als Naturallohnzahlungen oder Reiseproviant ausgegeben wurden. Aus den Jahren 492‚ÄĒ458 v. Chr. stammen die T√§felchen aus dem Schatzhaus von Persepolis selbst, die die Ausgabe von Silber und Naturalprodukten insbesondere f√ľr die in Persepolis besch√§ftigten Arbeiter registrieren. Das Elamische hat also bis in die Zeit Artaxerxes'I. in der Wirtschaftsverwaltung als Verwaltungssprache gedient. Demzufolge waren in diesem Bereich Elamer t√§tig, und die Ach√§meniden haben hier offenbar eine Tradition weiter gepflegt, die sie einst bei den Elamern kennen gelernt hatten.
 
Von den Texten in babylonischer Sprache kommt der Nabonidchronik, die die Ereignisse der Jahre 556‚ÄĒ538 v. Chr., also die Eroberung Babyloniens durch Kyros II. und dessen Handeln nach dem Einzug in die Stadt, detailliert schildert, und dem Kyroszylinder, der wichtige Z√ľge von Kyros' Politik gegen√ľber den unterworfenen V√∂lkern verdeutlicht, die gr√∂√üte Bedeutung zu. Eine weitere wichtige Quelle stellen daneben Tausende von juristischen Urkunden und Wirtschaftst√§felchen aus Tempel- und Firmenarchiven der gro√üen St√§dte Babyloniens, aus Babylon, Sippar, Uruk und Nippur, dar, die √§hnlich den elamischen Texten eine gro√üe F√ľlle von Einzelangaben und zahlreiche Eigennamen enthalten.
 
Das Aram√§ische, das schon unter den Assyrern als internationales Kommunikationsmittel gedient hat, war die eigentliche, offizielle Verwaltungssprache des Perserreiches. Dies kommt darin zum Ausdruck, dass sich das Verbreitungsgebiet aram√§ischer Texte praktisch √ľber das gesamte Reich erstreckt, von Persepolis bis nach Sardes und nach Ober√§gypten, aber auch nach Mittelasien. Zahllose Papyri, Stein- und Vaseninschriften, M√ľnz- und Siegellegenden bezeugen die besondere ach√§menidenzeitliche Sprachform, das Reichsaram√§ische. Ausgrabungen in Persepolis erbrachten auch hier reiche Funde, neben Siegelabdr√ľcken und Beischriften auf Tont√§felchen vor allem etwa 200 M√∂rser, Sch√ľsseln und Tabletts aus gr√ľnem Stein aus der Zeit Xerxes'I. und seines Nachfolgers.
 
Aus Kleinasien sind aram√§ische Inschriften bekannt, denen lydische, lykische oder griechische Versionen zur Seite stehen und denen sich deutliche Hinweise auf die r√§umliche Erstreckung des Gebrauchs der verschiedenen Sprachen entnehmen lassen. Im W√ľstensand √Ągyptens und Pal√§stinas haben sich an vielen Stellen Papyri mit Vertragstexten, Briefen und sonstigen Dokumenten gefunden. Besondere Hervorhebung verdienen darunter aber Fragmente einer sp√§teren Kopie der aram√§ischen √úbersetzung der Bisutun-Inschrift, die Dareios' Worte best√§tigen (Spalte IV, Zeile 91f.), dass er ¬Ľdiese Inschrift √ľberallhin in die L√§nder¬ę seines Reiches ausgesandt habe.
 
F√ľr das ach√§menidenzeitliche √Ągypten ‚ÄĒ die ¬Ľerste Perserherrschaft¬ę von 525 bis 404 v. Chr. wird als 27. Dynastie gez√§hlt ‚ÄĒ stehen Dutzende von Texten in hieroglyphischer Schrift und der Alltagsschrift der √Ągypter, der demotischen Schrift, zur Verf√ľgung: Hierzu z√§hlen die Hieroglyphentexte auf den Stelen von Schaluf und Tell el-Maschutah an dem von Dareios fertig gestellten Nechokanal und ein Erlass des Dareios √ľber die Kodifizierung des √§gyptischen Rechts, das weiterhin in Kraft blieb. Dazu kommt als l√§ngster Hieroglyphentext aus der Perserzeit die Inschrift des Udja-horresnet, eines hohen W√ľrdentr√§gers der Pharaonen Amasis und Psammetich III., der dann, sozusagen als √úberl√§ufer oder Kollaborateur, in den Diensten der persischen Gro√ük√∂nige Kambyses und Dareios stand, in deren Auftrag er die Ausbildung qualifizierter √Ąrzte in √Ągypten organisierte.
 
Aus dem Alten Testament sind jene B√ľcher relevant, die die Ach√§menidenzeit betreffen. Das ist die Zeit, in der das Babylonische Exil der Juden zu Ende ging, denn Kyros II. gestattete diesen nach der Eroberung Babyloniens die R√ľckkehr. In dem Buch Jesaja (Kapitel40‚ÄĒ55) wird die Erl√∂sung Israels durch Kyros prophezeit. In dem teilweise autobiographischen Buch Esra wird gleich eingangs der Erlass Kyros'II. √ľber die Erlaubnis zur R√ľckkehr der Juden und zum Wiederaufbau des Tempels w√∂rtlich zitiert; es schlie√üt sich der Bericht √ľber die Heimkehr, den Tempelbau und √ľberhaupt die Lage der Juden bis in die Zeit Artaxerxes'I. an, der dann Esra als Bevollm√§chtigten nach Jerusalem gesandt hat. F√ľr die Frage der Authentizit√§t ist einiges Gewicht darauf zu legen, dass Teile dieses Buches wie auch des Buches Daniel anders als die gro√üe Masse des Alten Testaments in aram√§ischer Sprache und nicht auf Hebr√§isch geschrieben sind. Das Buch Nehemia kn√ľpft inhaltlich an das Buch Esra an, w√§hrend das erst in hellenistischer Zeit entstandene Buch des Propheten Daniel offenbar auf Quellen fu√üt, die manches durcheinander gebracht haben. Damit ist es historisch ebenso wenig verwertbar wie der in Susa spielende Roman √ľber Xerxes' Frau Esther in dem alttestamentlichen Buch gleichen Namens.
 
Obwohl der Zustrom orientalischer Quellen f√ľr die Geschichte des Perserreiches unabl√§ssig weiterflie√üt, bleibt vor allem f√ľr die diplomatisch-politische Geschichte und die Perserkriege nach wie vor die antike, speziell griechische √úberlieferung dominierend, auch wenn antipersische Tendenzen gelegentlich den Quellenwert dieser Berichte tr√ľben. Die Hauptquelle f√ľr die Zeit bis 479/478 v. Chr. und der verl√§sslichste Zeuge zugleich ist Herodot mit seinen ¬ĽHistorien¬ę. Aus eigener Kenntnis des Perserreiches ¬Ľvon innen¬ę konnte Ktesias aus Knidos sch√∂pfen, der jahrelang Leibarzt Artaxerxes'II. gewesen ist und 23 B√ľcher ¬ĽPersika¬ę geschrieben hat, die aber nur durch Zitate sowie l√§ngere Paraphrasen und Exzerpte bekannt sind. Au√üer dieser verwickelten √úberlieferungslage ist allerdings in Rechnung zu stellen, dass Ktesias wider Erwarten kein besonders zuverl√§ssiger Chronist, sondern eher ein orientalischer M√§rchenerz√§hler ist, der sich mehr von Effekthascherei als von Wahrheitsliebe leiten lie√ü. W√§hrend die Perser bei Thukydides nur eine Rolle am Rand spielen, berichtet Xenophon ausf√ľhrlich √ľber Persien, Perser und persische Verh√§ltnisse, insbesondere in der ¬ĽAnabasis¬ę, wo er sich als Teilnehmer des Zuges Kyros'des J√ľngeren und der Zehntausend Griechen in gewissem Sinn auf Autopsie st√ľtzen konnte, und in der ¬ĽKyrup√§die¬ę, die allerdings h√§ufig Zeitgen√∂ssisches, Fakten und Namen, um anderthalb Jahrhunderte zur√ľckprojiziert. Sp√§tere Autoren vom Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. an k√∂nnen nicht aus eigenem Erleben √ľber das Ach√§menidenreich schreiben, sondern fu√üen nur auf √§lteren Quellen und sind demzufolge blo√ü als indirekte Zeugen zu werten.
 
Was die Zuverl√§ssigkeit dieser griechischen Quellen angeht, so ist gerade die Herodots an vielen verbl√ľffend genauen Einzelheiten deutlich zu belegen. Dies beginnt schon bei den Namen, die dort, wo wir sie mit den authentisch √ľberlieferten iranischen Originalformen vergleichen k√∂nnen, insgesamt recht getreu wiedergegeben werden. Anders liegen die Dinge zumindest teilweise dort, wo Herodot √ľber Inschriften des Dareios berichtet und solche ¬Ľzitiert¬ę. Hier ist gr√∂√ütes Misstrauen gegen√ľber dem ¬ĽVater der Geschichte¬ę durchaus angebracht.
 
Dass wir die meiste Information √ľber die Geschichte des Perserreiches aus griechischen Quellen beziehen, ist nicht gleichzusetzen mit dem Fehlen einer persischen Geschichtsschreibung: Die Existenz von K√∂nigschroniken bei den Persern steht au√üer Zweifel durch entsprechende Hinweise im Buch Esra (4, 15) und von Ktesias (bei Diodor 2, 32, 4). Diese Chroniken m√ľssen aber schon sehr bald verloren gegangen sein, da nicht erst den fr√ľhen Sassaniden im 3. Jahrhundert n. Chr. jegliche Kenntnis √ľber die Ach√§menidenzeit fehlt.
 
Die Sprachverhältnisse im Perserreich: Ein babylonisches Sprachengewirr?
 
Der √úberblick √ľber die Quellen, die f√ľr die Geschichte des Perserreiches zur Verf√ľgung stehen, hat bereits verdeutlicht, mit wie vielen Sprachen der Betrachter konfrontiert wird. Das Ach√§menidenreich ist n√§mlich ein Vielv√∂lker- und Vielsprachenstaat gewesen, so wie die k. u. k. Habsburgermonarchie von vor 1918 etwa. Dass die vielen V√∂lker dieses Reiches der Herrschaft der Perser unterworfen waren, bedeutet allerdings nicht, dass das Altpersische √ľber dieses ganze Riesenreich hin verbreitet worden ist. Das Altpersische, so wie es uns in den K√∂nigsinschriften entgegentritt, ist n√§mlich in dieser Form nirgends gesprochen worden; es ist eine stilisierte ¬ĽKunstsprache¬ę und nur die ¬ĽSprache des ach√§menidischen K√∂nigtums¬ę.
 
Die Kanzleisprache der Reichsverwaltung war dagegen das Aram√§ische, das schon in neuassyrischer Zeit weite Verbreitung gefunden hatte. Bei den Ach√§meniden spielte es eine f√ľhrende Rolle im interregionalen Schriftverkehr und in der regionalen Verwaltung der einzelnen Reichsl√§nder. Es bew√§hrte sich dabei als bequemes Werkzeug daf√ľr, die zahlreichen Sprachgrenzen innerhalb des Reiches zu √ľberwinden und den Verkehr zwischen den Reichsv√∂lkern zu erleichtern. Und durch das Aram√§ische konnte dieses Reich zugleich wie mit einer Klammer zusammengehalten werden, ohne dass die verschiedenen Sprachen der einzelnen V√∂lker selbst in irgendeiner Weise beeintr√§chtigt worden w√§ren.
 
Neben dem Aram√§ischen sind auch andere Sprachen in ¬Ľoffiziellen¬ę Texten verwendet worden, aber in begrenztem Umfang und in jeweils regionaler Beschr√§nkung, und zwar prim√§r dort, wo sich das Aram√§ische nicht schon in vorach√§menidischer Zeit hatte festsetzen k√∂nnen. Solche lokal oder regional bedeutsame, nur in Teilgebieten des Reiches offiziell verwendete Sprachen sind etwa in Kleinasien das Lydische, Lykische und Griechische, ferner das √Ągyptische, das Babylonische und das Elamische.
 
Sie treten teils neben dem Aram√§ischen, teils neben den drei √ľblichen keilschriftlichen Versionen in Texten auf, die in je unterschiedlicher Weise offiziellen Charakter haben. Deutliche Beispiele sind etwa die Inschriftstelen von Dareios' ¬ĽSuezkanal¬ę: Die beiderseits beschriebene Stele von Schaluf (heute im Museum von Ismailia) trug auf der einen Seite die drei in altpersischer, babylonischer und elamischer Sprache abgefassten Keilschrifttexte, auf der anderen Seite einen Hieroglyphentext, w√§hrend in Tell el-Maschutah diese Texte auf zwei nebeneinander stehende, nur einseitig beschriebene Stelen verteilt sind. In jedem Fall ist es so, dass in den Hieroglyphen-Inschriften ein viel ausf√ľhrlicherer und umfangreicherer Text vorliegt, der im Gesamtumfang dem keilschriftlichen dreisprachigen Text gleichkommt, also mit diesem √§quipollent ist. Eine Best√§tigung daf√ľr bietet auch die in Susa gefundene, aber in √Ągypten geschaffene Dareiosstatue, bei der vier Gewandfalten auf der linken Seite die drei keilschriftlichen Texte und vier Gewandfalten auf der rechten Seite den Hieroglyphentext enthalten, wodurch die symmetrische Anordnung und die √Ąquipollenz ganz augenf√§llig werden.
 
Insgesamt hat es unter den zahlreichen Sprachen des Perserreiches gro√üe Unterschiede, Gegens√§tze und nat√ľrlich Konkurrenz gegeben. Viele Provinzen des Reiches sind jedoch aufgrund des Fehlens von schriftlichen Zeugnissen nichts als wei√üe Flecken auf der (Sprachen-)Karte. Wir tun uns deshalb recht schwer damit, genau zu bestimmen, welche Sprache an welchem Ort in welcher Situation zu welchem Zweck verwendet worden ist. Fest steht, dass in einem solchen Vielsprachenstaat wie dem Perserreich f√ľr die Verwaltung des Reiches und seiner Provinzen Dolmetscher und √úbersetzer unverzichtbar gewesen sein m√ľssen.
 
Das Königtum der Achämeniden
 
Die K√∂nigsherrschaft im Perserreich war ganz offensichtlich im Ach√§menidengeschlecht erblich. Da die Zugeh√∂rigkeit zu dieser Sippe demnach einen der wesentlichen Pfeiler des K√∂nigtums bildet, nimmt es nicht wunder, dass in kaum einer Titulatur die Angabe ¬Ľein Ach√§menide¬ę fehlt. Gelegentlich wird diese ¬ĽLegitimation durch das Blut¬ę erg√§nzt durch den Hinweis, dass der K√∂nig ¬ĽPerser, eines Persers Sohn, Arier, von arischer Abstammung¬ę sei. Dies verdeutlicht in besonderer Weise, dass die Perser zur Bl√ľtezeit des Reiches unter Dareios I. ein starkes Nationalgef√ľhl besa√üen und stolz darauf waren, Arier, das hei√üt Iraner, und speziell Perser zu sein.
 
Die Thronfolge scheint im Normalfall so geregelt gewesen zu sein, dass der Gro√ük√∂nig selbst den Erben bestimmt hat. Dies liest man aus einer Herodotstelle heraus (7,2,1), die besagt, dass nach persischem Brauch ein K√∂nig erst ins Feld ziehen durfte, wenn er einen anderen zum K√∂nig bestimmt hatte. Gew√∂hnlich war dies sein √§ltester Sohn, nur ausnahmsweise einmal der erste nach der Thronbesteigung, das hei√üt der erste ¬Ľim Purpur¬ę geborene Sohn. Ein solcher Ausnahmefall lag bei Xerxes I. vor: Herodot schildert n√§mlich im Einzelnen, dass Dareios I. von seiner ersten Frau drei S√∂hne gehabt habe und aus sp√§terer Ehe mit Atossa, Kyros' Tochter, vier weitere, als √§ltesten davon Xerxes, und dass er diesen, als er gegen √Ągypten und Griechenland ziehen wollte, zum K√∂nig bestimmt habe. Den realen Kern dieser Geschichte best√§tigt Xerxes selbst in einer Inschrift, in der er betont, was er offenbar selbst als anomal empfunden hat: ¬ĽDareios hatte (noch) andere S√∂hne; Ahura Masdas Wunsch war es also: Dareios, mein Vater, hat mich zum Gr√∂√üten nach sich selbst gemacht. (Und) als mein Vater Dareios verstorben ist (so die faktische Bedeutung eines viel diskutierten Ausdrucks), wurde. .. ich K√∂nig an des Vaters Stelle.¬ę Wenn Xerxes hier sagt, Dareios habe ihn ¬Ľzum Gr√∂√üten nach sich selbst¬ę gemacht, so ist der Betrachter des bekannten Audienzreliefs von Persepolis geneigt, dies ganz w√∂rtlich zu nehmen: Dieses Relief stellt den sitzenden K√∂nig n√§mlich so gro√ü dar wie den hinter ihm stehenden Kronprinzen, der seinerseits die anderen Figuren, h√∂chste Hofbeamte, um Hauptesl√§nge √ľberragt.
 
Unter den griechischen literarischen Quellen, die hier einschl√§gig sind, ist der Bericht Plutarchs √ľber die von Artaxerxes II. getroffene Erbfolgeregelung die eindeutigste: Als ein Streit unter dessen S√∂hnen um die Nachfolge ausgebrochen war, h√§tten verst√§ndige Ratgeber den K√∂nig dazu gedr√§ngt, die Herrschaft, so wie er selbst sie erhalten habe, seinem erstgeborenen Sohn, dem mittlerweile 50-j√§hrigen Dareios, zu √ľberlassen. So geschah es auch ‚ÄĒ ohne dass es letztlich aber zu dessen Thronfolge gekommen w√§re.
 
Die Perserk√∂nige verstanden sich nicht als G√∂tter, und sie waren auch nicht g√∂ttlicher Abstammung, wenngleich der griechische Tragiker Aischylos (Perser, 157) nach griechischer Vorstellung anderes suggeriert. Das zweite Fundament ihres K√∂nigtums neben der dynastischen Legitimation war aber ihr Gottesgnadentum: Sie waren K√∂nige von Ahura Masdas Gnaden. Nach der Aufz√§hlung seiner Titel und seiner Ahnen und dem dadurch erbrachten Beweis seiner genealogischen Berechtigung f√§hrt Dareios in der Einleitung des Bisutuntextes fort (Spalte I, Zeile 11f.): ¬ĽDurch den Willen Ahura Masdas bin ich K√∂nig; mir hat Ahura Masda die Herrschaft verliehen.¬ę
 
Diese Investitur durch Ahura Masda spielt eine so dominierende Rolle, dass die K√∂nige sie ohne Unterlass in verschiedenen Varianten unterstreichen. Am h√§ufigsten liest man die Wendung, dass Ahura Masda, der Himmel und Erde erschaffen hat, Dareios (oder einen Nachfolger) ¬Ľzum K√∂nig gemacht hat, den Einen zum K√∂nig √ľber viele¬ę. Ahura Masda √ľbergab damit die von ihm erschaffene Erde gewisserma√üen dem einen von ihm Erw√§hlten als seinem Sachwalter auf Erden. Demzufolge steht der K√∂nig unter Ahura Masdas Schutz, den er f√ľr sich selbst, sein Haus, sein Reich und seine Werke erbittet.
 
Diese beiden Prinzipien von Gottesgnadentum und genealogischer Erbfolge geh√∂ren verschiedenen Epochen und Kulturr√§umen an: Letzteres entstammt jener alten Zeit, als die Perser noch zu den nomadisierenden Stammesverb√§nden z√§hlten, w√§hrend das Prinzip des von einem Gott erw√§hlten Herrschers, das als etwas fremdes Neues die altererbten Vorstellungen √ľberlagert hat, von den mesopotamischen Hochkulturen √ľbernommen ist. So verkn√ľpft die ach√§menidisch-persische K√∂nigsideologie also jene zwei Elemente zu einer charakteristischen Neusch√∂pfung.
 
Diese Vorstellung weist auch darauf hin, dass der Perserk√∂nig nicht als Erster unter Gleichen zu verstehen ist, sondern als absolut souver√§ner Herrscher. Als oberster Herr und Richter vereinigte der K√∂nig alle Macht in seiner Person und stand deshalb hoch √ľber allen, auch √ľber dem Gesetz, insofern er handeln konnte, wie es ihm beliebte. Dies berichten Herodot (3, 31, 4) und auch Dareios selbst.
 
Die Zeremonie der Investitur der ach√§menidischen K√∂nige, die in Pasargadai stattfand, beschreibt Plutarch (Artoxerxes 3, 1‚ÄĒ2): Der designierte K√∂nig hatte seine Gew√§nder abzulegen und das Gewand anzulegen, das Kyros trug, bevor er K√∂nig wurde; dann musste er getrocknete Feigen und Pistazien essen und eine Schale saurer Milch trinken. √úber k√∂nigliche Insignien und √Ąhnliches geben nur die Bilddarstellungen Aufschluss, etwa die Audienzreliefs, auf denen der Thronsessel zu sehen ist. Darauf sitzt der K√∂nig in sehr steifer Haltung, ein langes Zepter in der Rechten, eine Lotosbl√ľte in der Linken, die aufrecht getragene, purpurne Tiara auf dem Kopf. Andere Darstellungen, etwa die des Bisutunreliefs, zeigen den K√∂nig mit einer Zackenkrone.
 
Die Thronnamen der Könige: Das Programm als Name
 
Eine besondere Sitte der Perserk√∂nige bestand darin, bei der Thronbesteigung neue Namen, ¬ĽThronnamen¬ę, anzunehmen. Diese Sitte war auch sonst im Alten Orient verbreitet; uns ist sie heute am gel√§ufigsten von den Papstnamen, die im Grunde nichts anderes sind.
 
Bezeugt sind Thronnamen und die Tatsache der Umbenennung f√ľr Artaxerxes I., der den Geburtsnamen Kyros trug, Dareios II. mit dem Geburtsnamen Ochos, Artaxerxes II., der Arses, und Artaxerxes III., der Ochos hie√ü, sowie f√ľr Dareios III., f√ľr den der babylonische Geburtsname Artaschat berliefert ist, w√§hrend sein lateinischer Name Codomannus wohl blo√ü Beiname ist. Bei den Historikern des Alexanderzuges ist auch zu lesen, dass sich der baktrische Satrap Bessos, der 330 v. Chr. Dareios III. ermordet hat, nach dessen Tod selbst zum K√∂nig erhoben und den Namen Artaxerxes angenommen habe.
 
Die Zeugnisse f√ľr eine derartige Umbenennung betreffen also die Zeit von Artaxerxes I. an und sichern als Thronnamen die Namen Artaxerxes mit der Bedeutung ¬Ľdessen Herrschaft bzw. Reich sich auf die Wahrheit gr√ľndet¬ę und Dareios mit der Bedeutung ¬Ľdas Gute festhaltend¬ę. Diese Namen sind ganz unverkennbar programmatisch und dr√ľcken ein religi√∂s-politisches Programm, einen Wahlspruch aus. Wenn f√ľr Dareios II. und Dareios III. mit Thronnamen zu rechnen ist, liegt es nahe, Gleiches auch f√ľr Dareios I. zu postulieren, obwohl wir dessen Geburtsnamen nicht kennen. Das in diesem Namen zum Ausdruck kommende Programm stimmt nun bestens zu anderen Zeugnissen, die gerade f√ľr Dareios I. eine konservative Einstellung best√§tigen.
 
Wir m√ľssen uns also fragen, ob nicht Dareios I. diese Sitte bei den Ach√§meniden eingef√ľhrt hat. Denn seit seinem Herrschaftsantritt stellen die K√∂nigsnamen eindeutig ¬Ľsprechende Namen¬ę dar ‚ÄĒ auch Xerxes' Name ist von dieser Art ‚ÄĒ, anders als die noch nicht einhellig gedeuteten Namen seiner Vorg√§nger Kyros und Kambyses und anders als die ganz normalen Namen seiner unmittelbaren Ahnen. Dareios I. hatte schlie√ülich auch allen Anlass zu einer solchen Umbenennung, da er zu Lebzeiten seines Gro√üvaters Arsames und seines Vaters Hystaspes ja nicht der legitime Erbe war.
 
¬ĽGro√ük√∂nig¬ę, ¬ĽK√∂nig der K√∂nige¬ę, ¬ĽK√∂nig der L√§nder¬ę
 
Die offizielle Titulatur der K√∂nige ist am authentischsten in deren offiziellen Proklamationen bezeugt. Sie variiert in ihrem Umfang betr√§chtlich und ist in der ausf√ľhrlichsten Version zu Beginn der Bisutun-Inschrift bezeugt: ¬ĽIch (bin) Dareios, der gro√üe K√∂nig, K√∂nig der K√∂nige, K√∂nig in Persien, K√∂nig der L√§nder.¬ę Die vier Glieder dieser Titulatur werden auch selbstst√§ndig verwendet; so sind uns durch die antiken Autoren ¬Ľgro√üer K√∂nig¬ę und ¬ĽK√∂nig der K√∂nige¬ę als allein stehende Titel gel√§ufig.
 
Der Titel ¬Ľgro√üer K√∂nig¬ę enth√§lt ein Adjektiv, das erwiesenerma√üen medisches Lehnwort ist, er stellt aber letztlich einen alten Titel mesopotamischen Ursprungs dar; der Titel ¬ĽK√∂nig der K√∂nige¬ę stammt gleichfalls aus Mesopotamien, er ist seit dem 13. Jahrhundert v. Chr. bezeugt und verr√§t sich durch seine Wortstellung als fremden Ursprungs. Diese durch urart√§ische Vermittlung aus Mesopotamien stammenden Titel sind in erster Linie zu verstehen als Ausdruck des Anspruchs der Ach√§meniden, dass sie die rechtm√§√üigen und ebenb√ľrtigen Erben der babylonischen, assyrischen, urart√§ischen und medischen K√∂nige sind.
 
Das bei Dareios an letzter Stelle stehende ¬ĽK√∂nig der L√§nder¬ę ist der f√ľr die Ach√§meniden typischste Titel, da es sonst nur ganz vereinzelte Gegenst√ľcke dazu im Assyrien des 9. Jahrhunderts und in Urartu gibt. Die zu ¬ĽK√∂nig der K√∂nige¬ę parallele Wortstellung verr√§t auch hier die fremde Herkunft. In sp√§teren Inschriften erweiterte Dareios diesenTitel zu ¬ĽK√∂nig der L√§nder mit allen St√§mmen¬ę, und Xerxes I. variierte dies zu ¬Ľmit vielen St√§mmen¬ę, was die Vermutung aufdr√§ngt, dass hier der fr√ľhere Anspruch auf die Weltherrschaft zur√ľckgenommen und variiert wird zu dem auf die Beherrschung eines Vielv√∂lkerstaates.
 
In jenen Quellen, die nicht auf ein altpersisches Konzept zur√ľckgehen, weichen die Titulaturen dagegen sehr stark ab. Sie stehen offenbar in der jeweils einheimischen, also etwa babylonischen oder √§gyptischen Tradition und f√ľhren zu dem Schluss, dass dort die Ach√§meniden dadurch als legitime Nachfolger der einheimischen K√∂nige anerkannt waren.
 
Die Reichsstruktur: Die Satrapen als ¬ĽSch√ľtzer¬ę der Herrschaft
 
Das Perserreich war ein Vielv√∂lkerstaat unter der F√ľhrung der Perser. Unter den anderen Reichsv√∂lkern nahmen die Meder eine besondere Stellung ein. Dies beweisen einige Passagen des Bisutuntextes, die das Perserreich gewisserma√üen zergliedern in ¬ĽPersien, Medien und die anderen L√§nder¬ę; diese Sonderstellung illustrieren aber auch die Persepolisreliefs, auf denen Meder und Perser, die wir anhand ihrer Kleidung und Kopfbedeckung gut unterscheiden k√∂nnen, in den langen Reihen von Adligen, Gardisten, Hofbeamten und anderen Personen in bunter Folge nebeneinander stehen.
 
Das gro√üe Reich war in ¬ĽL√§nder¬ę unterteilt, deren Zahl offenbar nicht unver√§nderlich war. Die √§lteste bekannte Liste, die der Bisutun-Inschrift (Spalte I, Zeile 12‚ÄĒ17), spiegelt den Zustand beim Tod des Kambyses. Sie z√§hlt 23 ¬ĽL√§nder¬ę auf: Persien, Elam, Babylonien, Assyrien, Arabien, √Ągypten, ¬Ľdie (V√∂lker) am Meer¬ę (an der Propontis und l√§ngs des Schwarzen Meeres), Lydien, Ionien, Medien, Armenien, Kappadokien, Parthien, Drangiane, Areia, Chorasmien (Charism), Baktrien, Sogdien, Gandhara, Sakien, Sattagydien, Arachosien und Mekran.
 
Diese L√§nder wurden ‚ÄĒ Persien ausgenommen ‚ÄĒ von ¬ĽSatrapen¬ę verwaltet, Gefolgsm√§nnern des K√∂nigs, deren Titel in w√∂rtlicher √úbersetzung ¬ĽReichssch√ľtzer¬ę oder ¬ĽHerrschaftssch√ľtzer¬ę bedeutet und nach denen die Griechen dann diese L√§nder ¬ĽSatrapien¬ę nannten. Die Satrapen wurden vom K√∂nig offenbar auf unbefristete Zeit bestellt und hatten zum Teil gro√üe Macht und betr√§chtlichen Einfluss. Deshalb wundert es kaum, dass oftmals Angeh√∂rige der K√∂nigsfamilie die wichtigen gro√üen Satrapien verwalteten. Solche Satrapen und Satrapien haben in √§hnlicher Form anscheinend schon im Mederreich existiert. Anders ist es nicht zu erkl√§ren, dass der Satrapentitel fast √ľberall, wo er belegt ist, eine Form aufweist, die gerade nicht persisch ist.
 
Diese L√§ndergliederung ist immer wieder ver√§ndert worden, offenbar bereits unter Dareios I. selbst, da in sp√§teren Listen aus seiner Regierungszeit auch andere Namen wie Sagartien, Indien (gemeint ist die Indusprovinz), Thrakien, Libyen oder Karien auftreten. Wenig hilfreich ist die Liste der Steuerbezirke bei Herodot (3, 90‚ÄĒ94), da sie von den orientalischen Quellen, die die Satrapien aufz√§hlen, sehr stark abweicht und ganz f√ľr sich steht. Der Grund f√ľr solche Unterschiede, die in den L√§nderlisten bis zur Zeit Alexanders und den Teilungen von dessen Reich nach seinem Tod reflektiert werden, liegt selbstverst√§ndlich in Gebietsver√§nderungen oder organisatorischen Umgestaltungen. Nicht nur an Zusammenlegung urspr√ľnglich selbstst√§ndiger L√§nder oder Aufteilung zu gro√ü gewordener Verwaltungsbezirke ist da zu denken, sondern auch an die Bef√∂rderung besonders f√§higer oder verdienter Satrapen und √Ąhnliches. Das Streben nach kleineren Satrapien und damit weniger m√§chtigen Satrapen, die leichter in Schach zu halten waren, mag ein sehr wesentliches Kriterium gewesen sein oder einfach auch nur der Umstand, dass die feudale Gesellschaftsstruktur die Einbeziehung von immer mehr Gefolgsleuten in den Herrschaftsapparat erforderte. Doch all die Ver√§nderungen, ihre Ursachen und insbesondere auch die genauen Grenzen zwischen den einzelnen Reichsl√§ndern sind uns so gut wie nicht bekannt. Ihre historischen Wurzeln liegen selbstverst√§ndlich in den vorach√§menidischen Staaten, die im Perserreich aufgegangen sind. Zum Teil haben aber lokale Dynastien, einem Satrapen unterstellt, auch weiter bestanden.
 
Diese L√§nder hatten dem K√∂nig Tribut zu bringen, die Befehle des K√∂nigs auszuf√ľhren, sein Gesetz zu befolgen. Die feste Tributzahlung, die die L√§nder entrichten mussten, wurde allem Anschein nach erst von Dareios I. im Zusammenhang mit seiner Verwaltungsreform eingef√ľhrt, um das Reich auf eine gesunde wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Zuvor hatten sich die K√∂nige angeblich, nach Herodot, mit ¬Ľfreiwilligen¬ę Geschenken und Abgaben begn√ľgt. Nach ihm hatten s√§mtliche Steuerbezirke, die aber mit den Satrapien nicht identisch gewesen sein k√∂nnen, ein j√§hrliches Fixum in Gold und Silber zu zahlen, einzelne zus√§tzlich noch Naturalabgaben, je nach ihren M√∂glichkeiten. Herodot gibt genaue Zahlen an, die vielleicht auf einer offiziellen persischen Quelle beruhen; als Gesamtsumme hat er daraus 14560 eub√∂ische Silbertalente errechnet. Diese Tributzahlungen an Gold, Silber, Elfenbein, Gef√§√üen, Vieh, Getreide, Wein, √Ėl u. a. waren die wichtigste Einnahmequelle; sie flossen in die gro√üen Schatzh√§user von Susa, Ekbatana und Persepolis. Von hier sind uns, wie schon erw√§hnt, unz√§hlige Tont√§felchen bekannt, die von den administrativen Vorg√§ngen einen lebendigen Eindruck vermitteln. Aus all diesen Einnahmen war der gesamte Aufwand f√ľr den K√∂nig und seinen Hofstaat, Diener- und Beamtenschaft, Heer, sp√§ter auch S√∂ldner sowie f√ľr √∂ffentliche Arbeiten wie Palastbauten, Wege, Stra√üen und Kan√§le zu bestreiten. Wenn wir mit den Angaben von Herodots Tributliste die vielen Delegationen aus allen Reichsl√§ndern konfrontieren, die die Persepolisreliefs darstellen, so zeigt dieser Vergleich, dass hier nicht Tributbringer, sondern Gabenbringer dargestellt sind, deren Geschenke ‚ÄĒ und Huldigung ‚ÄĒ der K√∂nig entgegennimmt. Ihn tragen die Repr√§sentanten der V√∂lker auf verschiedenen Reliefs auch oft genug wortw√∂rtlich ¬Ľauf H√§nden¬ę, auf seinem Thron sitzend.
 
Die Herrschaft der Ach√§meniden √ľber die unterworfenen V√∂lker war insgesamt recht liberal, und man hat den einzelnen Reichsv√∂lkern eine betr√§chtliche Autonomie belassen, vornehmlich den alten Kulturv√∂lkern der Babylonier und Assyrer, Elamer, Juden und √Ągypter. Es gab keine zentralistische Einheitsverwaltung, die eine kulturelle Gleichmacherei angestrebt h√§tte. Die einzelnen V√∂lker konnten vielmehr ihre eigenen Institutionen, Gebr√§uche, Religion und Sprache, kurz: ihre Individualit√§t bewahren, solange nur die allgemeine Reichsverwaltung in persischer Hand war. Belege f√ľr diese Toleranzpolitik sind etwa die von Kyros II. gestattete R√ľckkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil und der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem. Nicht zuletzt das Zusammenleben einer sehr gemischten Bev√∂lkerung in den Reichszentren wie Susa oder Persepolis ‚ÄĒ hier verraten es die vielen Personennamen deutlich ‚ÄĒ vertiefte die Kontakte zwischen den verschiedenen Volksgruppen und f√ľhrte zu gegenseitiger Toleranz, aber auch zu einer Art kulturell-religi√∂sen Synkretismus.
 
Die Reichsverwaltung: Effektivität und Kontrolle
 
Das Verwaltungszentrum, in dem alle F√§den aus dem ganzen Reich zusammenliefen, war der K√∂nigspalast. Dort war das komplizierte b√ľrokratische System mit seiner hoch entwickelten Buchf√ľhrung angesiedelt. Als Kommunikationsmittel zwischen allen Verwaltungsstellen in den Zentralen und Provinzen diente, wie allgemein im Alten Orient, der per Boten geschickte Brief.
 
Verwaltungshauptstadt des Reiches war offenbar seit Dareios I. Susa, die erste und wichtigste der K√∂nigsresidenzen. Herodot sagt ausdr√ľcklich (5, 49, 7), dass dort der Gro√ük√∂nig Hof h√§lt und die Schatzh√§user stehen. In gro√üartiger Weise haben Dareios und seine Nachfolger dort auch die uralte elamische Burganlage erweitert. Strittig ist dagegen die Zuverl√§ssigkeit griechischer Nachrichten dar√ľber, dass die K√∂nige je nach der Jahreszeit in Susa, Babylon und Ekbatana oder gar auch in Persepolis residiert h√§tten.
 
Die Satrapen in ihren Provinzhauptst√§dten waren oft ¬ĽK√∂nige im Kleinen¬ę, und ihr Hof und ihre Hofhaltung waren kleine Abbilder des gro√ük√∂niglichen Vorbilds. Sie leiteten die regionale bzw. lokale Verwaltung, hatten an K√∂nigs statt Recht zu sprechen, f√ľr den K√∂nig Tribut einzutreiben und √§hnliche Aufgaben. In sp√§terer Zeit kam es wiederholt zu Satrapenaufst√§nden mit dem Ziel der Unabh√§ngigkeit vom Gro√ük√∂nig. Die politischen Kr√§fte ‚ÄĒ im Idealfall im Gleichgewicht ‚ÄĒ verschoben sich n√§mlich mit der Zeit ganz deutlich von dem nur theoretisch allm√§chtigen und allzust√§ndigen K√∂nig hin zu den Satrapen.
 
Aber wie alle Beamten der ach√§menidischen Reichsverwaltung unterlagen auch die Satrapen regelm√§√üigen Inspektionen durch Kontrolleure, die ¬ĽAugen¬ę bzw. ¬ĽOhren des K√∂nigs¬ę, von denen uns √ľbrigens nur griechische Autoren berichten. Diese zogen durch das gesamte Reich, begleitet von einer Art schneller Einsatztruppe, inspizierten ohne Vorwarnung die Amtsf√ľhrung der Satrapen oder Verwalter der riesigen k√∂niglichen Dom√§nen und erstatteten dem Gro√ük√∂nig unmittelbar Bericht.
 
Recht und Rechtsprechung: Dareios' Reform, ¬Ľmein Gesetz¬ę
 
Kyros II. und Dareios I. f√ľhrten eine neue Gesetzgebung und ein neues Rechtsprechungssystem ein. Das neue Gesetz, dem im Ganzen der Reichsreform des Dareios eine zentrale Rolle zukam, fu√üte zwar auf dem alten persischen Recht, war aber wohl durch mesopotamische Elemente tief greifend ver√§ndert. Von einem schriftlich fixierten Gesetzescodex, etwa dem altbabylonischen des Hammurapi vergleichbar, ist uns nichts bekannt. Das k√∂nigliche Gesetz ‚ÄĒ Dareios spricht von ¬Ľseinem¬ę Gesetz, das die L√§nder befolgen ‚ÄĒ war durch das Gottesgnadentum der K√∂nige an das g√∂ttliche Recht gebunden. Es war f√ľr das gesamte Reich ma√ügebend. Demzufolge wurde das altpersische Wort ¬Ľdata¬ę(¬ĽGesetz¬ę) zu einem Schl√ľsselwort der ach√§menidischen Herrschaft √ľber die verschiedenen V√∂lker des Perserreiches.
 
Dareios hielt sich, wie seine Inschriften zeigen und auch Platon best√§tigt, f√ľr einen gro√üen Gesetzgeber. Daher lie√ü er sich auch die fr√ľheren Gesetzestraditionen anderer V√∂lker angelegen sein: Er veranlasste eine Sammlung der √§gyptischen Gesetze, deren Niederschrift in Aram√§isch und Demotisch im Jahr 495 v. Chr. zum Abschluss kam. Und dass Esra eine Kodifizierung der mosaischen Gesetze f√ľr die nach Jerusalem zur√ľckgekehrte j√ľdische Gemeinde unternahm, ist ohne Zustimmung und Interesse des K√∂nigs nicht vorstellbar.
 
Die Rechtsprechung oblag dem K√∂nig und besonderen ¬Ľk√∂niglichen Richtern¬ę, wie Herodot sie nennt, die vom K√∂nig ernannt wurden. Somit blieb das Prinzip der absoluten und unbeschr√§nkten Macht des K√∂nigs gewahrt. Diese Richter hatten die Gesetze auszulegen und Recht zu sprechen. Dabei sollte grunds√§tzlich der Tatbestand genau untersucht, im Besonderen aber jeweils auch die Schwere des Vergehens gegen fr√ľhere Verdienste des Angeklagten aufgerechnet werden. Gerechtigkeit beim Urteilsspruch ging √ľber alles, und griechische Autoren berichten von etlichen korrupten Richtern, die wegen Nichtbeachtung dieses Grundsatzes zum Tode verurteilt worden sind.
 
Das M√ľnzwesen im Perserreich: ¬ĽDareikos¬ę und ¬ĽSiglos¬ę
 
Es gilt als wahrscheinlich, dass Dareios I. als erster der Ach√§menidenk√∂nige M√ľnzen hat schlagen lassen; er √ľbernahm damit eine Errungenschaft, die die Welt dem Lyderk√∂nig Kr√∂sus verdankt. Dareios hat die Entwicklung des M√ľnzwesens entscheidend gef√∂rdert und hat f√ľr das ganze Reich verbindlich eingef√ľhrt, was zun√§chst nur im √§u√üersten Westen des Reiches gebr√§uchlich war, einen einheitlichen Standard.
 
Der neue M√ľnzstandard war der Golddareikos, der aus reinstem Gold (von mehr als 23 Karat) gepr√§gt wurde und etwa 8,34g wog. Obwohl die Griechen diese Bezeichnung ¬Ľdareikos¬ę gew√∂hnlich auf den Namen jenes K√∂nigs bezogen, der ihn eingef√ľhrt haben d√ľrfte, ist sie in Wirklichkeit wohl eher von dem persischen Wort f√ľr ¬ĽGold¬ę herzuleiten. Diese Goldm√ľnzen durften nur vom K√∂nig ausgegeben werden, der ihr Gewicht und ihre Reinheit garantierte.
 
Daneben gab es Silberm√ľnzen, Siglos oder hebr√§isch Schekel genannt, die aus reinstem Silber waren und ungef√§hr 5,56g wogen. Einem Dareikos entsprachen dem Wert nach 20 Sigloi. Das Wertverh√§ltnis Gold zu Silber betrug 40 zu 3, da 8,34g Gold dem Wert von 111,2g Silber entsprachen. Formal waren Gold- und Silberm√ľnzen einander √§hnlich: Sie waren leicht oval und blieben w√§hrend der ganzen Zeit bis zum Untergang des Perserreiches praktisch unver√§ndert. Die Vorderseite der M√ľnze, der Avers, bot das idealisierte Bildnis eines b√§rtigen K√∂nigs mit Zackenkrone, Speer und Bogen im Knielauf.
 
W√§hrend die Emission von Goldm√ľnzen k√∂nigliches Privileg war, konnten Silber- und Kupferm√ľnzen auch von Satrapen, lokalen Dynasten und autonomen St√§dten ausgegeben werden. Solche M√ľnzen trugen dann oft im Unterschied zu den K√∂nigsm√ľnzen Legenden. Die persischen M√ľnzpr√§gungen haben offenbar nur in Kleinasien und im Handel mit griechischen St√§dten eine wirklich bedeutende Rolle gespielt, im √ľbrigen Reich wurde weiterhin Naturalienwirtschaft (mit Dareikos und Siglos als Wertma√üstab und Rechengr√∂√üe) betrieben. Die Entwicklung blieb auf halbem Wege stecken, weil die K√∂nige Gold und Silber lieber in ihren Schatzh√§usern horteten und so dem Geldumlauf entzogen.
 
Handel und Wandel, Wirtschaft und Verkehr
 
Der expandierende Handel im Ach√§menidenreich ist nicht nur der Einf√ľhrung von festen Ma√üen und Gewichten bzw. eines geregelten M√ľnzwesens zu verdanken. √úber das ganze Reich wurde der Boden f√ľr eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung bereitet. F√ľr die √úberwindung immenser Entfernungen lie√ü Dareios I. Stra√üen anlegen, die Susa und Babylon mit den verschiedenen Reichsteilen und Provinzhauptst√§dten verbanden und ein rasches Vorankommen garantierten.
 
Die ber√ľhmteste dieser Stra√üen ist die ¬ĽK√∂nigsstra√üe¬ę von Sardes nach Susa, deren Verlauf Herodot (5, 52‚ÄĒ54) ausf√ľhrlich beschreibt. Sie zog sich auf einer L√§nge von etwa 2600 km durch Babylonien, Assyrien, Armenien, Kilikien, Kappadokien, Phrygien bis nach Lydien und √ľberquerte an gro√üen Fl√ľssen Tigris, Euphrat und Halys. F√ľr den Normalfall waren 111 Tagesreisen vorgesehen, das hei√üt 110 √úbernachtungen an den Haltepunkten; k√∂nigliche Rastst√§tten boten hier beste Unterkunftsm√∂glichkeiten. Aber daneben gab es viele andere, √§ltere und sicher auch wichtigere Fernstra√üenverbindungen, seien es ¬Ľnat√ľrliche¬ę Karawanenpisten oder k√ľnstlich angelegte Allwetterstra√üen. Hierzu z√§hlen etwa die Verbindungen von Babylon √ľber Susa nach Persepolis, von Babylon √ľber die Zagrosberge und Ekbatana nach Baktrien und Indien oder von Issos quer durch das √∂stliche Kleinasien nach Sinope am Schwarzen Meer. Diese Stra√üen waren auch f√ľr Fahrzeuge tauglich und von so hervorragender Qualit√§t, dass sie den Untergang des Reiches lange √ľberlebten.
 
Nach den Berichten griechischer Autoren wurden diese Stra√üen streng √ľberwacht und kontrolliert, sodass sie als recht sicher gelten konnten. Dies h√§ngt aufs Engste damit zusammen, dass sie auch f√ľr einen regelm√§√üigen Post- oder Kurierdienst geeignet waren, der sich auch noch unter dem Makedonenk√∂nig Alexander dem Gro√üen, den Diadochen und letztlich auch noch den R√∂mern immer weiterentwickelt hat. Die Basis dieses Postsystems waren nach Herodot (8,98) Relaisstationen, die Tag und Nacht Abl√∂sung f√ľr Ross und Reiter bereithielten, sodass diese Reiterstafetten die Entfernung von Susa nach Sardes in sage und schreibe sieben Tagen zur√ľcklegen konnten.
 
Der Handel profitierte gleicherma√üen auch von der Vollendung des Nechokanals, die ebenso eine weitsichtige Politik wie geographische ¬ĽNeugier¬ę des K√∂nigs verr√§t. Diese Verbindung von Mittelmeer und Rotem Meer √ľber den Nil hatte zwar schon der Pharao Necho II. geplant, doch kam der stecken gebliebene Bau erst unter Dareios I. zum Abschluss, der denn auch seinen Stolz dar√ľber auf Inschriftstelen verewigt hat. Der Kanal f√ľhrte ‚ÄĒ anders als der moderne Suezkanal ‚ÄĒ von Bubastis am Nil durch das Wadi Tummilat und die Bitterseen nach Suez.
 
Die wirtschaftlichen Verh√§ltnisse waren in den verschiedenen Reichsl√§ndern sehr unterschiedlich, wenngleich gerade unter Dareios I. allenthalben ein Aufschwung recht deutlich wird. Dies gilt zum Beispiel f√ľr den Ackerbau, von dem die wirtschaftliche Entwicklung des Reiches sehr stark abhing und der zum Wohl auch der Menschen gewaltige F√∂rderung durch die Ach√§meniden erfuhr. Da die Verbesserung der Bew√§sserung zur Vermehrung der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che und indirekt zur Produktionssteigerung wesentlich beitrug, wurden daf√ľr in gro√üem Ma√üstab unterirdische Bew√§sserungskan√§le von der Art angelegt, wie sie noch heute in Iran und Afghanistan in Betrieb sind und als Ghanate bezeichnet werden.
 
Eigent√ľmer der oft sehr gro√üen Besitzungen waren in erster Linie der K√∂nig und seine Familie, die Sippen der h√∂heren und h√∂chsten Beamten, die Tempel und die gro√üen Handelsfirmen (aus Babylonien). Diese Besitzungen, die Ackerland, G√§rten und Plantagen ebenso umfassten wie Jagdreviere und Tierparks, die bei den Griechen ¬ĽParadiese¬ę hie√üen, wurden gew√∂hnlich verpachtet und brachten auf diese Weise immensen Reichtum und gro√üe Macht ein. Die unruhigen Zeiten im 4. Jahrhundert v. Chr. wirkten sich dann aber negativ auf die Verwaltung und die finanzielle Lage aus ‚ÄĒ beispielsweise wurden hohe Steuern erhoben, um die vielen fremden S√∂ldnertruppen bezahlen zu k√∂nnen ‚ÄĒ, sodass der allm√§hliche wirtschaftliche Niedergang unvermeidbar war. Beschleunigt wurde dieser auch durch den Luxus und die Genusssucht, denen sich nicht allein die K√∂nige hingaben. Griechische Autoren bezeugen diesen k√∂niglichen Luxus aufs Deutlichste.
 
Der Wohlstand und Reichtum unter den Ach√§meniden f√ľhrte auch zum Bau pr√§chtiger Palastanlagen in Pasargadai (unter Kyros II.), Susa und vor allen anderen in Persepolis, wo Dareios I. sozusagen aus dem Nichts eine Palaststadt von etwa 450 m√ó300 m Fl√§che zu errichten begann. So f√§llt der H√∂hepunkt der Persermacht auch mit der ¬Ľklassischen¬ę Bl√ľtezeit der ach√§menidischen Kunst unter Dareios I. zusammen, deren oberstes Ziel in der Glorifizierung der Herrscherdynastie, des K√∂nigs und des Reiches bestand.
 
Milit√§r: Von ¬Ľ10000 Unsterblichen¬ę und S√∂ldnern
 
Zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Reich, zur Verteidigung seiner Grenzen und um es ‚ÄĒ mehr als nur einmal ‚ÄĒ √ľberhaupt zusammenzuhalten, waren Soldaten unverzichtbar. Der Aufbau des Heeres scheint sich im Laufe der Zeit ge√§ndert zu haben. W√§hrend unter Kyros II. alle erwachsenen persischen M√§nner wehrpflichtig gewesen zu sein scheinen, gab es sp√§ter ein stehendes Berufsheer, das bei Bedarf durch zus√§tzliche Truppen erg√§nzt werden konnte. In Friedenszeiten gab es anscheinend nur dieses stehende Heer von Persern und Medern, das Reiter und Fu√üsoldaten umfasste und j√§hrlich vom K√∂nig inspiziert wurde.
 
Die Elitetruppe dieses Heeres war die k√∂nigliche Garde der ¬Ľ10000 Unsterblichen¬ę, von denen Herodot berichtet. F√ľr jeden dieser Gardesoldaten musste n√§mlich bei Ausscheiden durch Tod, Verwundung oder aus anderen Gr√ľnden sofort Ersatz gestellt werden, um die Zahl wieder auszugleichen. Aber diese Erkl√§rung f√ľr ihre ¬ĽUnsterblichkeit¬ę ist zweifellos nur die Folge der falschen √úbersetzung eines persischen Wortes. Ein Teil dieser Garde bildete die Leibgarde des K√∂nigs, jene Soldaten, die in langen Reihen auf den Reliefs von Persepolis oder auf glasierten Ziegeln in den Pal√§sten von Susa dargestellt sind. Ihr Anf√ľhrer war der ¬ĽChiliarch¬ę, der Tausendschaftsf√ľhrer, der offenbar als Heerf√ľhrer und m√∂glicherweise auch als eine Art Minister √ľberragenden Einfluss gehabt hat.
 
√úber das ganze Reich waren auf die strategisch wichtigen Punkte Garnisonen verteilt, die unter dem Kommando persischer Offiziere standen. Wenn es zum Krieg kam, wurden diese Elitetruppen durch Soldaten verst√§rkt, die all die verschiedenen Reichsv√∂lker zu stellen hatten, deren Anf√ľhrer aber ausschlie√ülich Perser und Meder waren. Ein ausf√ľhrlicher √úberblick √ľber die Truppen, die Xerxes nach Griechenland f√ľhrte, stellt uns dies in der Schilderung einer Truppenparade vor dem K√∂nig bei Herodot anschaulich vor. Diese aus allen Satrapien bunt zusammengew√ľrfelte Streitmacht war in nationale Einheiten unter dem Befehl des jeweiligen Satrapen gegliedert und jeweils auch nach heimischem Brauch gekleidet und bewaffnet.
 
Die Haupteinheiten waren Reiter, Speer- und Bogensch√ľtzen, und unter diesen beiden scheint es sowohl berittene wie auch unberittene Kontingente gegeben zu haben. √úber die Gr√∂√üe solcher Heere k√∂nnen wir uns kein genaues Bild machen, da die Zahlen bei den griechischen Autoren gew√∂hnlich weit √ľbertrieben sind und in den orientalischen Quellen keine Angaben dieser Art vorkommen. Da die Schlagkraft dieser Heere offenbar nicht sehr gro√ü war, wurden die persischen Fu√üsoldaten im Laufe der Zeit mehr und mehr durch griechische S√∂ldner ersetzt.
 
Prof. Dr. R√ľdiger Schmitt, Saarbr√ľcken
 
 Die Gesellschaft zur Zeit Dareios' des Großen
 
K√∂nige, Adlige und einige herausragende Pers√∂nlichkeiten haben immer die Geschicke der V√∂lker bestimmt; von ihnen berichten auch die Geschichtsschreiber. Selten h√∂rt man etwas von der breiten Masse des Volkes, von all den Menschen, die ‚ÄĒ ebenso wie wir ‚ÄĒ ihre t√§gliche Arbeit verrichten mussten. So ist es ein gl√ľcklicher Zufall, dass in Persepolis Tausende von Keilschriftt√§felchen gefunden worden sind, die aus dem Verwaltungsarchiv des K√∂nigs Dareios stammen. Durch sie k√∂nnen wir viele Einblicke in das t√§gliche Leben der Menschen im damaligen Perserreich gewinnen. Den trockenen Aktennotizen Informationen abzugewinnen ist aber nur m√∂glich, wenn man alle im Zusammenhang betrachtet, nachforscht, welcher Beamte wo, mit welchen anderen auftritt, wo und in welchem Zusammenhang sein Siegelabdruck zu finden ist usw. Doch die M√ľhe lohnt sich.
 
Betrachten wir ein T√§felchen n√§her, auf dem vermerkt ist, dass im 21. Regierungsjahr des K√∂nigs Dareios, also 501 v. Chr., 180l Wein von Hutschaya ausgegeben werden. Er verwaltet, wie uns viele weitere T√§felchen verraten, die Weinvorr√§te im Orte Vanta. Dieser liegt sieben Tagereisen von Persepolis entfernt an der Stra√üe, die nach Susa f√ľhrt, und zwar inmitten eines reichen Weinanbaugebietes. Dort gab es auch eine Poststation, in der Reisende √ľbernachten konnten. Sie wird etwa so ausgesehen haben wie die Karawanenstationen, die sich teilweise bis heute im Orient erhalten haben. Menschen und Tiere fanden dort gemeinsam einen sicheren Unterschlupf f√ľr die Nacht. Der Reisebegleiter Bagabadusch machte dort sogar mitsamt 547 √Ągyptern Station. Was m√∂gen das f√ľr Leute gewesen sein? Das T√§felchen vermerkt, dass sie auf dem Wege nach Tauka waren. Dieser Ort lag im S√ľden der Persis, und dort gab es weite Getreideanbaugebiete. Immer wieder sprechen die Belege von Hunderten von Arbeitern, die dort, vor allem zur Erntezeit, eingesetzt wurden. Nicht nur √Ągypter werden genannt, sondern auch Babylonier und Syrer, Lykier und Karer aus Kleinasien, ja sogar Thraker aus dem n√∂rdlichen Griechenland oder Baktrer und Sogdier aus dem fernen Nordosten des persischen Gro√üreiches. Hier begegnen riesige Mengen an ¬ĽGastarbeitern¬ę, die von weit her gekommen waren. Eingesetzt wurden sie vor allem in der Landwirtschaft oder als Bauarbeiter. Nicht nur in Persepolis, auf dessen Terrasse K√∂nig Dareios ein weites Repr√§sentations- und Verwaltungszentrum v√∂llig neu erstehen lie√ü, herrschte eine rege Baut√§tigkeit.
 
Man hat vermutet, dass es sich bei diesen Arbeitern vielleicht um Sklaven handelte. Doch daf√ľr l√§sst sich kein Anhaltspunkt gewinnen. In den Abrechnungen der Verwaltungst√§felchen werden sie genauso wie Perser behandelt. Unter ihnen begegnen auch Spezialisten wie Viehz√ľchter aus Thrakien oder Schreiber aus Babylonien, die auf Pergament schreiben konnten. Denkbar w√§re, dass sie f√ľr eine gewisse Zeit zwangsverpflichtet worden sind. Andererseits scheinen Fachleute, wie zum Beispiel griechische Bildhauer, ebenso wie Soldaten mit der Zusicherung einer guten Bezahlung herbeigeholt worden zu sein.
 
Ob die √Ągypter direkt aus ihrer Heimat eingetroffen waren oder ob sie schon vorher an einer anderen Stelle in der Persis gearbeitet hatten, k√∂nnen wir nicht sagen. Doch tragen sie eine gesiegelte Urkunde des Bagapana bei sich. Er war der Satrap in Susa. Also m√ľssen die √Ągypter dort zumindest Station gemacht haben.
 
Bei ihrer Rast in Vanta erhalten sie 180l Wein. Das ergibt etwa 1/3 l f√ľr jeden. Die meisten ¬ĽGastarbeiter¬ę standen auf der niedrigsten Gehaltsstufe. Das bedeutete, dass sie t√§glich 1 l Gerste erhielten, wovon sie sich dann selbst Brot backen konnten. Dieses war die Mindestration f√ľr einen erwachsenen Arbeiter; diese Menge bekamen zum Beispiel Reitknechte, Arbeiter im Schatzhaus, Garnspinner, Holzarbeiter, Tischler, √Ėlmacher und Obstsaftbereiter, aber auch Feinarbeiter, Goldschmiede und persische Knaben, die Inschriften abschreiben.
 
Allen Arbeitern, die nur die Mindestration erhielten, standen aber noch weitere Sonderzuwendungen zu, und zwar regelm√§√üige Zuteilungen und andere, die aus besonderem Anlass ausgeteilt wurden. Regelm√§√üig gab es zum Beispiel alle zwei Monate 1l Mehl und 1/2l Wein oder Bier. Einmal im Monat erhielten 30 Arbeiter zusammen ein St√ľck Kleinvieh. Das ist f√ľr den Einzelnen nat√ľrlich kaum eine Portion zum Abendessen. Doch m√ľssen wir dabei bedenken, dass ein Durchschnittsb√ľrger Griechenlands in klassischer Zeit h√∂chstens zweimal pro Jahr √ľberhaupt in den Genuss von Fleisch kam, n√§mlich im Zusammenhang mit den gro√üen Opferfesten. Somit erschien den Griechen allein die Tatsache, dass Arbeiter regelm√§√üig Fleischzuteilungen erhielten, als ein unerh√∂rter Luxus.
 
An weiteren Extrarationen kam die ¬Ľk√∂nigliche Unterst√ľtzung¬ę hinzu. Sie bestand aus Mehl oder Gerstenmalz, Sauerwein, getrockneten Feigen, Datteln, N√ľssen oder Mandeln. Nur an M√§nner wurde monatlich 1 l Leinsamen ausgegeben. Nichts finden wir in den Verwaltungst√§felchen √ľber frisches Gem√ľse. Dieses muss aber unbedingt zu einer ausgewogenen Ern√§hrung geh√∂rt haben. In der Regel hatte wohl jede Familie ihr kleines G√§rtchen, in dem sie f√ľr ihren eigenen Bedarf Zwiebeln, Lauch und frisches Gem√ľse anbauen konnte. Die Tatsache, dass von der Verwaltung lebendige Zicklein ausgegeben wurden, weist darauf hin, dass vorgesehen war, diese Tiere daheim aufzuziehen, um Milch zu gewinnen, Joghurt und K√§se herzustellen. Arbeiter, die zum Beispiel in den Manufakturen der Schatzh√§user angestellt waren, wurden mittags offenbar in der ¬ĽKantine¬ę versorgt, denn unter dem Personal dieser Institutionen finden sich immer mehrere K√∂che oder K√∂chinnen.
 
Neben den genau festgelegten Sonderrationen gab es noch besondere ¬ĽWunschkost¬ę, die nur bei bestimmten Anl√§ssen verteilt wurde. Diese erhielten Schwerarbeiter oder solche, die sich besonders angestrengt hatten, auch Frauen, die ein Kind geboren hatten. Die H√∂he der Zuteilung f√ľr diese Frauen hing allerdings davon ab, ob sie einen Jungen oder ein M√§dchen zur Welt gebracht hatten. F√ľr einen Jungen gab es monatlich 20 l Getreide und 10 l Wein oder Bier, f√ľr ein M√§dchen von beidem die H√§lfte, und dieses f√ľnf Monate lang. Offenbar freute sich der K√∂nig √ľber die Geburt eines Jungen noch mehr als √ľber ein M√§dchen. Dieses ist indessen der einzige Unterschied in der Behandlung der Geschlechter, der dem Material der Verwaltungst√§felchen zu entnehmen ist. Auff√§llig ist sonst vielmehr, dass bei der Bezahlung der Arbeiter und Angestellten Frauen und M√§nner v√∂llig gleich behandelt werden.
 
Das etwas kompliziert erscheinende, aber bestens organisierte System der Sonderzuteilungen f√ľr diejenigen, die auf der untersten Stufe der Verdienstleiter standen, zeigt deutlich das Bestreben, H√§rtef√§lle zu vermeiden und jedem Arbeiter die volle Arbeitskraft zu erhalten. Dieses konnte nur im Sinne des K√∂nigs sein. Wenn also die √§gyptischen Arbeiter, die auf dem Wege von Susa nach Tauka waren, bei ihrer Rast in Vanta jeder 1/3 l Wein erhielten, so war von der Verwaltung bereits vorher ber√ľcksichtigt worden, dass sie auf der langen Reise diese St√§rkung sicher n√∂tig hatten. Immerhin mussten sie t√§glich im Schnitt 24 km zur√ľcklegen, und das bei einer Strecke, die teils stark durchs Gebirge f√ľhrte.
 
Doch dieses T√§felchen, das die Ausgabe von Wein an Arbeiter in Vanta belegt, ist sieben Tagereisen von diesem Ort entfernt in Persepolis gefunden worden. Hier k√∂nnen wir einen Einblick gewinnen in die Arbeitsweise der persischen Verwaltung. Ihr Zentrum lag in Persepolis. Dort hatten die obersten Beamten ihren Sitz, und dort liefen alle F√§den zusammen. Und dorthin musste auch von jedem einzelnen Beleg, wo immer er ausgestellt sein mochte, eine Abschrift geliefert werden. So konnte auch die geringste Ausgabe jederzeit √ľberpr√ľft werden. An der Spitze dieser weit verzweigten Verwaltung, direkt dem K√∂nig unterstellt, stand der Hofmarschall. Unter Dareios hatte dieses Amt lange Jahre ein Mann namens Farnaka inne. Er war der wichtigste Beamte des gesamten Reiches und sogar den Satrapen √ľbergeordnet. Das zeigt sich auch ganz deutlich an seinem Einkommen. T√§glich standen ihm 180 l Mehl zu, und zwar vom feinsten. Die einfachen Arbeiter erhielten dagegen nur 1l Gerste, wie wir sahen. Farnakas Monatseinkommen belief sich somit auf 5400l Mehl; dazu kamen 2700l Wein. Nur ein einziger Mann erhielt noch h√∂here Rationen, Gaubarva, der Vater der ersten Frau des K√∂nigs, dem er wohl besonders vertraute und den er zu seinem Lanzentr√§ger gemacht hatte. Er erhielt t√§glich noch 10 l Wein mehr als Hofmarschall Farnaka, also insgesamt 3000 l im Monat. Neben Mehl und Wein standen Farnaka 60 Hammel oder Ziegen zu, t√§glich zwei St√ľck. Diese gro√üen Mengen an Naturalien konnte er allein gar nicht verzehren. Andererseits brauchte er aber auch seine Bediensteten nicht davon zu verpflegen, denn diese standen ebenfalls in Diensten des K√∂nigs. Mehrfach sind unter anderem 300 Burschen des Farnaka erw√§hnt, die ihre Zuteilungen erhalten. Was er nicht selbst verbrauchte, konnte der Hofmarschall also offenbar auf dem Markt verhandeln lassen. Dieser jahrtausendealte Tauschhandel befand sich aber gerade zu dieser Zeit, nach Erfindung des Geldes, in einer Umbruchphase. Und bald ging man auch in Persepolis dazu √ľber, die L√∂hne der Angestellten zumindest teilweise in Silber auszuzahlen.
 
Die Hauptlast der Verwaltung lag auf den Schultern des Hofmarschalls. Er hatte zum Beispiel die Oberaufsicht √ľber alle Steuer- und Pachtabgaben, √ľberpr√ľfte die Belege √ľber die Ablieferung von Getreide, Fr√ľchten und Tributtieren und die Bestandsaufnahmen der Ernteertr√§ge. Auch f√ľr die k√∂nigliche Vorratshaltung war Farnaka verantwortlich. So lie√ü er Getreide nach Persepolis bringen und Gefl√ľgel speziell f√ľr den K√∂nig aufziehen. Ist der K√∂nig auf Reisen, schickt er Kuchenb√§cker vor ihm her, sodass bei Ankunft des K√∂nigs an der n√§chsten Station frisches Brot und feine Kuchen bereit sind. Der k√∂nigliche Marstall mit allen Bediensteten sowie Kamelen, Pferden und Maultieren ist Farnaka unterstellt. Auch der Einsatz von zus√§tzlichen Arbeitskr√§ften wird vom Hofmarschall gelenkt. Werden also zum Beispiel solche zum Ernteeinsatz in Tauka ben√∂tigt, muss √ľberlegt werden, wo Arbeiter abgezogen werden k√∂nnen, auf welchem Wege und unter welcher F√ľhrung sie an ihren neuen Bestimmungsort gelangen, welche Verpflegung sie zu erhalten haben und woher diese beschafft werden kann. Oft m√ľssen erst noch von entfernter gelegenen Orten Getreide und Fr√ľchte geliefert werden, da man auf so viele zus√§tzliche Esser nicht eingerichtet ist.
 
Der Hofmarschall schickt nicht nur Arbeiter, sondern auch Richter, Rechnungsf√ľhrer und -pr√ľfer, Karawanenf√ľhrer und offizielle Gesandtschaften auf Reisen. Damit alle diese an den verschiedenen Poststationen entsprechend aufgenommen und versorgt werden, sich vielleicht auch bei Stra√üenkontrollen durch die Polizei ausweisen k√∂nnen, erhalten sie eine gesiegelte Urkunde vom Hofmarschall. Einen solchen ¬ĽReisepass¬ę durften nur der Hofmarschall oder sein Vertreter, der Vizemarschall, ausstellen. In den Provinzen sind daf√ľr die Satrapen und deren Stellvertreter zust√§ndig. So zeigte auch der Reisebegleiter Bagabadusch mit den 547 √Ągyptern eine Urkunde des Satrapen von Susa vor. Auf dem Ausweis waren nicht nur der Reiseweg genau eingetragen, sondern auch die Rationen, die den Reisenden zustanden.
 
Alle diese Aufgaben konnte der Hofmarschall nat√ľrlich nicht allein erledigen. Vielmehr stand er an der Spitze eines weit verzweigten Verwaltungsnetzes. Der Vizemarschall hatte dieselben Aufgaben zu erf√ľllen und hatte, vor allem bei Abwesenheit des Hofmarschalls, dieselben Kompetenzen. Dennoch war er in seiner Bezahlung deutlich abgesetzt und erhielt mit 1800l Mehl und 900l Wein nur ein Drittel. Die Fleischration betrug 45 Ziegen oder Schafe, also immerhin drei Viertel von derjenigen des Hofmarschalls.
 
Auf diese beiden Spitzenbeamten folgte der Hofschatzwart. Ihm waren s√§mtliche Schatzh√§user in der Persis mitsamt ihrem Personal unterstellt, insgesamt 19. Diese dienten nun nicht nur dem Sammeln und Aufbewahren von Sch√§tzen, sondern auch ihrer Herstellung. Dort gab es Silber- und Goldschmiede, M√∂beltischler, Schneider und Teppichkn√ľpferinnen. Hunderte von Handwerkern waren dort besch√§ftigt. In Persepolis selbst werden im Jahre 467 v. Chr. auf einem Beleg 1348 Arbeiter genannt. Eine wichtige Abteilung der Schatzh√§user waren die Schneiderwerkst√§tten. Dort wurden die ber√ľhmten persischen Gew√§nder hergestellt, die vermutlich noch kostbar bestickt wurden und dem K√∂nig als wertvolle Geschenke dienten, aber auch ganz einfache Kleider, die f√ľr Angestellte der Krone bestimmt waren und einen weiteren Bestandteil der Entlohnung bildeten. Das Erstaunlichste ist aber, dass all diesen Manufakturen immer eine Frau vorstand. Eine solche Vorgesetzte erhielt den h√∂chsten Lohn aller dort Besch√§ftigten, n√§mlich 50l Gerste, 30l Wein und 1/3 Ziege oder Schaf monatlich.
 
Auf gleicher Ebene mit dem Hofschatzwart standen zwei ¬ĽHofintendanten¬ę, unter denen das gesamte Gebiet der Persis aufgeteilt war. Sie waren in erster Linie f√ľr den Einsatz der Arbeiter und deren Verpflegung zust√§ndig, √ľberwachten die gesamte Getreideverwaltung, den Fr√ľchteanbau und die Tierhaltung. Auch die Kontrolle von Steuereinnahmen und Ertr√§gen von verpachtetem Land fiel in ihren Aufgabenbereich. Ihnen unterstand eine ganze F√ľlle von weiteren Beamten, die f√ľr immer kleinere Bereiche zust√§ndig waren, sodass ihre Zahl nach unten hin zunahm. Die Arbeiter waren in Zehnerschaften und Hundertschaften mit jeweils eigenen Anf√ľhrern eingeteilt.
 
Prof. Dr. Heidemarie Koch, Marburg
 
 Frauen im Perserreich
 
Den griechischen Schriftstellern, wie zum Beispiel Platon und Plutarch, war in ihren Berichten offenbar daran gelegen, einerseits die ungeheure Verschwendungssucht der persischen K√∂niginnen herauszustellen, andererseits aber auch zu zeigen, welch ein unfreies Leben sie f√ľhren mussten. Das von ihnen vermittelte Bild hat unsere Vorstellungen vom Leben der persischen Frauen gepr√§gt. Durch die Verwaltungst√§felchen aus Persepolis k√∂nnen wir nun erstmals einen Einblick in das t√§gliche Leben der Perserinnen gewinnen, und zwar nicht nur das der K√∂niginnen, sondern auch der ganz einfachen Frauen, die tagt√§glich ihre Arbeit verrichten und au√üerdem ihre Familie versorgen mussten. Und dieses Bild sieht ganz anders aus, als man uns berichtet hat.
 
Nachdem Dareios der Gro√üe im Jahre 522 v. Chr. die Macht ergriffen hatte, √ľbernahm er den Harem seines Vorg√§ngers. Das war so √ľblich, denn die Damen mussten ja weiterhin eine gesicherte Existenz haben. Zum anderen war es auch politisch klug, denn so konnte Dareios sich mit zwei T√∂chtern von Kyros dem Gro√üen verm√§hlen und damit die Legitimit√§t seiner Herrschaft betonen. Die √§ltere, Atossa (altpersisch Hutautha: ¬Ľdie mit den sch√∂nen Schenkeln¬ę), wurde seine Hauptgemahlin und dann Mutter des Kronprinzen Xerxes. Ihr Name hat sich nur auf zwei T√§felchen erhalten. Dort werden ihr Steuerabgaben an Weizen und Gerste √ľberwiesen. H√§ufiger begegnet ihre j√ľngere Schwester Artystone (altpersisch Rtastuna: ¬ĽS√§ule der rechten Ordnung¬ę). Ihr geh√∂rten zumindest in drei Orten Pal√§ste, die mit weiten Landg√ľtern verbunden waren. In einem Brief weist sie zum Beispiel ihren Verwalter in Kuganaka an, einem bestimmten Rechnungsf√ľhrer 1000l Wein aus den Palastvorr√§ten zu √ľbergeben. Dieser Wein wurde wohl noch zus√§tzlich als Entlohnung von Arbeitern ben√∂tigt. Denn die K√∂niginnen waren auch f√ľr alle in ihren Diensten Stehenden verantwortlich. Nicht nur in den landwirtschaftlichen Betrieben ihrer gro√üen G√ľter, sondern auch in Werkst√§tten mit bis zu 480 Besch√§ftigten waren Arbeiter f√ľr sie t√§tig. Die Richtigkeit aller mit ihren Besitzungen verbundenen Abrechnungen musste von den K√∂niginnen √ľberpr√ľft und mit ihrem eigenen Siegel best√§tigt werden. So ermahnt in einem Schreiben die K√∂nigin Rtabama (¬ĽGlanz der rechten Ordnung¬ę) die Rechnungsf√ľhrer eines ihrer Landg√ľter, ihr doch endlich die bereits fr√ľher verlangte Abrechnung zu erstellen. Diese K√∂nigin begegnet am h√§ufigsten auf den T√§felchen. Doch wird sie von den griechischen Schriftstellern √ľberhaupt nicht erw√§hnt. Vermutlich war sie die erste Frau des K√∂nigs Dareios, die er geheiratet hatte, noch ehe er K√∂nig geworden war.
 
Um all ihren Aufgaben gerecht zu werden, mussten die K√∂niginnen viel herumreisen und selbst an Ort und Stelle nach dem Rechten sehen. Des √Ėfteren sind sie auf Reisen anzutreffen, und von der Verwaltung wurde dann immer genauestens Buch gef√ľhrt, was sie mitsamt ihrem Gefolge verzehrt hatten. Im Jahre 498 v. Chr. besuchte zum Beispiel K√∂nigin Artystone in Begleitung ihres Sohnes drei Orte in der Elymais. Dabei wurden 4260l Mehl, 21l fertige Gerstenspeisen und 543l Bier f√ľr die K√∂nigin und ihr Gefolge ausgegeben. Dieses sind indessen nur zuf√§llig erhaltene Belege. Was sonst noch verbraucht wurde, wieviel Personal, was an Reit- und Lasttieren sie bei sich hatte und andere Informationen erfahren wir leider nicht.
 
Besonders interessant sind zwei Belege aus Persepolis. Auf dem einen weist der Hofmarschall Farnaka den Hofherdenmeister an, der K√∂nigin Artystone 100 Schafe zu √ľbergeben, auf dem anderen den Hofkellermeister, ihr 2000l Wein auszuh√§ndigen. Beide tragen den Vermerk: ¬ĽVom K√∂nig wurde es befohlen.¬ę Dieses waren offenbar Sonderausgaben, die Dareios eigens anordnen musste. Es sieht so aus, als h√§tte K√∂nigin Artystone zu Beginn des Jahres 503 v. Chr. einen gro√üen Empfang in Persepolis gegeben. Drei Jahre sp√§ter h√∂ren wir, dass K√∂nigin Rtabama in Susa 2360l Wein auf einmal erhalten habe. Ob auch sie ein Festmahl veranstaltet hat?
 
Die ach√§menidischen K√∂niginnen waren also keineswegs nur hinter Haremsmauern verschlossen. Sie konnten sich vielmehr frei und auch ohne Begleitung des K√∂nigs im Lande bewegen und verf√ľgten eigenst√§ndig √ľber gro√üe Besitzt√ľmer.
 
Ergibt sich hier also schon ein v√∂llig neues Bild der hoch gestellten Frauen im Ach√§menidenreich, so wird dieses noch interessanter, wenn man die einfachen Frauen betrachtet. Gew√∂hnlich wird ja in der Geschichte von ihnen √ľberhaupt nicht berichtet. Doch die zu ganz anderen Zwecken abgefassten Verwaltungst√§felchen verraten uns auch √ľber sie eine ganze Menge. So sehen wir, dass offenbar M√§nner und Frauen v√∂llig gleich entlohnt wurden. Gut erkennen l√§sst sich das in den Schneiderwerkst√§tten der Schatzh√§user. Dort √ľbten mitunter M√§nner und Frauen die gleiche T√§tigkeit aus. Die Bezahlung richtete sich danach, ob die Betreffenden einfache Gew√§nder, feine oder superfeine Umh√§nge und M√§ntel herstellten. Auch unter den Kunst- und Feinhandwerkern finden sich viele Frauen. In diesen Berufen konnten Frauen offenbar dieselbe Spezialisierung erhalten wie M√§nner, und lediglich die Art der T√§tigkeit und die Ausbildungsstufe waren ausschlaggebend f√ľr das Gehalt. So stand an der Spitze der Manufakturen der Schatzh√§user immer eine Frau. Und sie verdiente mehr als alle unter ihr besch√§ftigten M√§nner.
 
Allerdings wurden den einfachen Frauen wohl niemals Aufgaben √ľbertragen, bei denen man im Lande herumreisen musste, wie zum Beispiel die vielen Rechnungsf√ľhrer und -pr√ľfer. Offenbar sollten die Frauen immer in der N√§he ihrer Familie bleiben. Und f√ľr diese wurde auch eine ganze Menge getan. Bei Geburt eines Kindes erhielten die Frauen einen f√ľnfmonatigen ¬ĽMutterschaftsurlaub¬ę. W√§hrend dieser Zeit wurde ihnen ein Grundgehalt von 20l Gerste weitergezahlt, hinzu kamen die Sonderzuteilungen, mit denen der K√∂nig eine Geburt belohnte. Die Kinder wurden von Anfang an mit in die Versorgung einbezogen und erhielten eigene Rationen, die mit dem Alter zunahmen. F√ľr die ganz Kleinen wurden eigens ¬ĽAmmen¬ę besch√§ftigt, die sie w√§hrend der Arbeitszeit ihrer M√ľtter versorgten. Au√üerdem hatten die M√ľtter wohl die M√∂glichkeit, k√ľrzere Zeit zu arbeiten, um ihren hausfraulichen Pflichten nachzukommen. Dieses wurde dann allerdings bei der Bezahlung entsprechend ber√ľcksichtigt. Wir k√∂nnen hier also Einblick nehmen in ein soziales System, bei dem der Familie und in ihr der Stellung der M√ľtter eine ganz besondere Bedeutung beigemessen wird, obwohl die Frauen so weit wie m√∂glich mit in den Produktionsprozess einbezogen wurden. Dabei wurde ihre Arbeitskraft und ihre Ausbildung in gleicher Weise honoriert wie die der M√§nner. Das h√§tte man bei einer orientalischen Gesellschaft um 500 v. Chr. nicht erwartet.
 
Neben den K√∂niginnen und den Frauen, die in √∂ffentlichen Diensten standen, gab es nat√ľrlich noch Frauen in anderen Funktionsbereichen. Sie werden von der Verwaltung nur in Ausnahmef√§llen erfasst, etwa wenn Gro√ügrundbesitzerinnen ihren Steueranteil von der Getreideernte oder ihren Tierherden abliefern. Die vielen Tausende von Ehefrauen der Bauern oder der selbstst√§ndigen Handwerker treten gar nicht in Erscheinung. Doch erfahren wir aus den in Babylonien oder √Ągypten erhaltenen Rechtsurkunden, dass die Frauen des ach√§menidischen Gro√üreichs durchaus als freie Rechtspersonen angesehen wurden. Sie konnten frei √ľber ihren Grundbesitz verf√ľgen, Prozesse f√ľhren oder sich scheiden lassen, ohne dabei ihr Eigentum zu verlieren.
 
 Zarathustra und seine Lehre
 
Zarathustra, der erste Prophet der Weltgeschichte, Stifter der ganz ungew√∂hnlichen persischen Religion, die in vielem christliche Ideen vorwegnimmt, ist schon seit Jahrhunderten eine sagenumwobene Pers√∂nlichkeit. Bereits die alten Griechen waren sich nicht mehr im Klaren dar√ľber, wann er nun eigentlich gelebt hatte, und gaben die unterschiedlichsten Berichte von ihm und seinem Wirken. So berichtet zum Beispiel Plinius der √Ąltere, dass die griechische √Ąonenspekulation seinen Geburtstag 6000 Jahre vor Platons Geburtstag annimmt. Je weniger man wirklich von ihm wusste, umso lebhafter lie√ü man seiner Phantasie freien Lauf. Sah man auf der einen Seite in ihm den weisesten der Perser, so wurde er f√ľr andere ein Inbegriff aller Magier und Anh√§nger der schwarzen K√ľnste. Dieses schillernde Bild wurde auch ins Abendland tradiert, und die Entstellung erreichte ihren H√∂hepunkt am Ende des 19. Jahrhunderts in dem ber√ľhmten Werk von Friedrich Nietzsche ¬ĽAlso sprach Zarathustra¬ę. Von diesem Philosophen ist das Antibild des Propheten indessen ganz bewusst gezeichnet und als Provokation seiner Leser aufgefasst worden.
 
Je weniger man von Zarathustra und seiner Lehre wirklich wusste, desto heftiger stritt man darum. Erste verl√§ssliche Nachrichten brachte der Franzose Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron in den Westen und wurde damit zum Begr√ľnder der Iranistik. Er hatte sich 1754 im Alter von 23 Jahren mit der Indienkompanie, einem abenteuerlichen, gr√∂√ütenteils aus den Gef√§ngnissen rekrutierten Haufen, eingeschifft, wobei sein ganzes Gep√§ck, wie so anschaulich berichtet wird, lediglich aus einigen B√ľchern, zwei Hemden, zwei Taschent√ľchern und einem Paar Socken bestand. In Indien kam Anquetil-Duperron in Kontakt mit den Parsen, der bedeutendsten Minderheit von Zarathustraanh√§ngern, die noch heute im Gebiet von Bombay und in Pakistan leben. Dorthin hatten sie sich unter dem Ansturm des Islam im 7. Jahrhundert zur√ľckgezogen. Kleinere Gruppen von Zoroastriern gibt es auch heute noch in Iran. Von den Priestern der Parsen lie√ü sich Anquetil-Duperron in die Geheimnisse ihrer heiligen Schriften einf√ľhren und brachte 180 von ihm kopierte Manuskripte heim nach Europa. 1771 erschien dann sein von den abendl√§ndischen Gelehrten sehns√ľchtig erwartetes Buch ¬ĽZend-Avesta, Werk des Zoroaster¬ę. Es war eine gro√üe Entt√§uschung! Der Philosoph Voltaire nannte es einen ¬Ľabscheulichen Wust¬ę, Goethe in den Erl√§uterungen zu seinem ¬ĽWest-√∂stlichen Divan¬ę eine ¬Ľverr√ľckt-monstrose Religion¬ę. Andere sprachen von einem ¬Ľoft absto√üenden Text¬ę, einer ¬ĽFolge von Bruchst√ľcken¬ę, ja einem ¬ĽTr√ľmmerfeld¬ę. Und damit hatten alle leider nicht ganz Unrecht. Denn was sich dort im Laufe von Jahrhunderten angesammelt hat, ist in der Tat ein seltsames Gemisch, in das einander ganz entgegengesetzte Ideen eingeflossen sind.
 
Avesta ‚ÄĒ Das heilige Buch der Zoroastrier
 
Um was handelt es sich nun eigentlich bei diesem Avesta? Der Name bedeutet in etwa ¬ĽGrundtext¬ę, ¬Ľ√úberlieferung¬ę, ¬ĽEloge¬ę. Erst sp√§t ist es niedergeschrieben worden, nachdem man es √ľber Jahrhunderte hin m√ľndlich tradiert hatte. Und der √§lteste uns erhaltene Text stammt gar erst aus dem Jahre 1278, die wichtigsten Texte aus dem 16./17. Jahrhundert. Insgesamt umfasste das Avesta einmal 21 B√ľcher, die aber gr√∂√ütenteils verloren gegangen sind. Der Hauptteil, das Yasna, ¬ĽVerehrung¬ę, besteht aus 72 Kapiteln. Es ist ein liturgisches Buch, das noch heute beim Hochamt der Parsen von Anfang bis Ende aufgesagt wird. √úberwiegend handelt es sich dabei um eint√∂nige Formeln mit langwierigen Wiederholungen. Doch hat sich inmitten dieser Litaneien ein wertvoller Schatz erhalten. Es sind die Gathas, 16 oder 17 Ges√§nge, die offenbar den √§ltesten Teil des gesamten Avesta darstellen und vermutlich auf den Propheten Zarathustra selbst zur√ľckzuf√ľhren sind. Geschrieben sind sie in einem uralten Hymnenstil der indogermanischen Zeit mit Stabreim und Wortspielen. Leider ist ihre Sprache aber so kompliziert, dass ihr Inhalt bis heute nicht eindeutig gekl√§rt werden konnte. Man hat die Gathas als die schwierigsten Verse der Literaturgeschichte bezeichnet, und teilweise widersprechen sich die √úbersetzungen derart, dass man meint, es m√ľsse sich um verschiedene Texte handeln. Trotz all dieser Schwierigkeiten lassen sich aber doch die Grundgedanken der Lehre Zarathustras diesem √§ltesten Kern entnehmen; neu erschlossene Quellen treten erg√§nzend und kl√§rend hinzu.
 
Da der Unterschied zwischen dem von Zarathustra verk√ľndeten Glauben und all dem, was im Laufe der Zeit in die √ľberlieferten Schriften eingeflossen ist, √ľberaus gro√ü ist, hat man sich angew√∂hnt, die urspr√ľngliche Lehre Zarathustrismus, die sp√§tere Entwicklung dagegen Zoroastrismus zu nennen.
 
Die Lehre Zarathustras
 
Was nun hatte Zarathustra der Welt zu verk√ľnden? Was war das Neue und Besondere, das die Erinnerung an ihn bis heute lebendig gehalten hat? Der Gott, von dem der Prophet k√ľndet, hei√üt Ahura Masda, der ¬ĽWeise Herr¬ę. Von ihm war vorher nichts bekannt. G√∂tter gab es bei den alten Indoariern viele, und durch die indische Literatur, insbesondere den Rigveda, ist ein recht guter √úberblick √ľber sie und ihre Funktionen zu erhalten. Und nach allem, was wir der sp√§teren iranischen √úberlieferung entnehmen k√∂nnen, waren die Vorstellungen hinsichtlich der G√∂tterwelt bei den alten Persern und Indern nah verwandt. Dieser Vielzahl an G√∂ttern stellt Zarathustra nun deutlich einen einzigen Gott entgegen ‚ÄĒ Ahura Masda. Er ist, so besagt seine Lehre, seit Urbeginn vorhanden, der Sch√∂pfer des Kosmos und der gerechte Richter am Ende der Zeiten. F√ľr ihn t√§tig sind eine Reihe von Geistern. An oberster Stelle steht Spenta Mainyu, der ¬ĽHeilige Geist¬ę. Hierunter d√ľrfen wir allerdings nicht den Heiligen Geist der Christen verstehen, denn bei Zarathustra nimmt er eine Stellung ein, die eher mit Jesus Christus vergleichbar ist. Auch Spenta Mainyu wird das J√ľngste Gericht abhalten. Diese Vorstellung eines Letzten Gerichtes, dem alle Menschen unterworfen sind, ist ebenfalls ein bei Zarathustra erstmalig auftretender Gedanke. Nach dem Tode muss die Seele die ¬ĽBr√ľcke des Auserw√§hlers¬ę √ľberschreiten. In sp√§teren Avestatexten hei√üt es, dass diese Br√ľcke wie ein Schwert sei. W√§hrend der Gerechte bequem √ľber seine Breitseite schreiten k√∂nne, werde sie f√ľr den L√ľgenknecht zu einer scharfen Schneide, von der er in die H√∂lle hinabst√ľrze. Der Gottesgetreue indessen gelangt in das ¬ĽHaus des Lobgesangs¬ę. Allerdings muss er zun√§chst noch ein Gottesurteil, und zwar ein Feuerordal, √ľber sich ergehen lassen, bei dem gl√ľhend fl√ľssiges Erz auf seine nackte Brust gegossen wird. Obwohl das g√∂ttliche Recht hart, unbestechlich und nicht schwankend ist, klingt doch auch durch, dass Ahura Masda Erl√∂sung und Erbarmen f√ľr diejenigen bereith√§lt, die treu zu ihm stehen.
 
Der gro√üe Gegenspieler des ¬ĽHeiligen Geistes¬ę ist Aka Mainyu, der ¬ĽB√∂se Geist¬ę, der auch als sein Zwilling bezeichnet wird. Diese beiden stehen einander als Extreme gegen√ľber, und durch den unerbittlichen Kampf zwischen ihnen sind √ľberhaupt erst Leben und Tod entstanden. Der Mensch muss selbst entscheiden, auf wessen Seite er sich stellen will. In dem Kampf wird der ¬ĽHeilige Geist¬ę unterst√ľtzt von Vohu Manah, dem ¬ĽGuten Sinn¬ę, und Sraoscha, dem ¬ĽGehorsam¬ę, der ¬ĽB√∂se Geist¬ę dagegen von Druchsch, der ¬ĽL√ľge¬ę, und Aeschma, dem ¬ĽMordrausch¬ę, der ¬ĽRaserei¬ę. Weiterhin treten noch eine ganze Reihe von Aspekten des Guten auf, die teilweise wie Personen betrachtet werden: Ascha Vahischta, das ¬ĽG√∂ttliche Recht¬ę oder die ¬ĽRechte Ordnung¬ę, Chschathra, das ¬ĽReich¬ę oder die ¬ĽHerrschaft¬ę, Armaiti, die ¬ĽGem√§√üe Gesinnung¬ę, Haurvatat, die ¬ĽGesundheit¬ę, ¬ĽHeilheit¬ę, und Ameretat, die ¬ĽUnsterblichkeit¬ę. Sie werden als eine geschlossene Gruppe betrachtet, die Amescha Spentas, die ¬ĽHeiligen Unsterblichen¬ę.
 
Ganz heftig wird Zarathustra, wenn er sich gegen die Anh√§nger des B√∂sen richtet, die L√ľge und Trug verbreiten und blutd√ľrstig durch die Lande ziehen. Der Gott, zu dessen Ehren orgiastische Opferfeste stattfanden, war Mithra, in anderen geographischen R√§umen auch Mithras genannt. Sein Name bedeutet ¬ĽVertrag¬ę, und als Garant eines Vertrages und damit als H√ľter des Rechtes tritt er auch in der √§ltesten Urkunde auf, die seinen Namen nennt. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert v. Chr., und zwar weit aus dem Westen, dem Zentrum Kleinasiens, aus Hattusa, der Hauptstadt des Hethiterreiches. Dies zeigt uns, dass der Gott Mithra bei den indoeurop√§ischen V√∂lkern eine weit reichende Verehrung genoss. Schon fr√ľhzeitig m√ľssen ihm dann weitere Funktionen zugeschrieben worden sein, so zum Beispiel als Gott der Krieger. Das sp√§tere Avesta hat ihm sogar einen eigenen Gesang gewidmet (Yascht 10), in dem er als der ¬ĽSt√§rkste der St√§rksten¬ę und als ¬ĽSt√§rkster der G√∂tter¬ę bezeichnet wird. Er beherrschte den Himmel, und zwar sowohl den n√§chtlichen, wobei die Sterne seine alles sehenden Augen waren, wie auch den hellen Tageshimmel, sodass er dann sogar zum Sonnengott wurde. Doch gerade seine finsteren Aspekte, die ihn auch f√ľr die Unterwelt zust√§ndig sein lie√üen, erf√ľllten die Menschen mit Furcht. Auf sp√§ten Darstellungen erscheint Mithra immer als Stiert√∂ter.
 
Um diesen Schrecken erregenden Gott scharten sich vor allem junge M√§nner, denen das mit seinem Kult verbundene z√ľgellose Treiben zusagte, das sie als Gottesdienst deklarieren konnten. Ihr Abzeichen war eine schwarze Fahne mit einem Drachenemblem. Von dem uns heute unbekannten Haoma berauscht, feierten sie n√§chtliche Orgien und verzehrten das Fleisch blutiger Schlachtopfer. Gegen das Gebaren dieser W√ľstlinge und damit gegen ihren Herrn, den Gott Mithra, richtete sich wohl in besonderem Ma√üe der Zorn Zarathustras, obwohl er den Namen dieses Gottes niemals nennt. Doch spricht seine Verurteilung des Rauschtrankes und der blutigen Opfer deutlich daf√ľr.
 
Die historische Person Zarathustra ‚ÄĒ Wann und wo hat er gelebt?
 
Wer war nun dieser Zarathustra? Wann und wo hat er gelebt? Damit ber√ľhren wir eine Frage, die bis heute zu den heftigsten Kontroversen Anlass gibt. Leider erz√§hlt uns der Prophet selbst recht wenig √ľber sich und sein Leben. In seinen Versen spielt das Rind eine gro√üe Rolle. Es steht als Sinnbild f√ľr die durch Schlachtopfer misshandelte Kreatur, aber auch f√ľr die Natur allgemein, die man pfleglich behandeln soll, um dadurch sowohl zu irdischem Reichtum wie auch zu einem wohlwollenden Urteil beim Letzten Gericht zu gelangen. Aus dieser Hervorhebung des Rindes hat man schon fr√ľhzeitig geschlossen, dass Zarathustra in einer Umwelt von Viehz√ľchtern und Nomaden gelebt haben m√ľsse. Auch die wenigen uns √ľberlieferten Namen von Personen seiner n√§chsten Umgebung sprechen daf√ľr. Der erste Teil des Namens Zarathustra konnte noch nicht eindeutig gekl√§rt werden, doch bedeutet -uschtra ¬ĽKamel¬ę. Sein Vater soll Poruschaspa gehei√üen haben, ¬Ľder viele Rosse hat¬ę. Mit -aspa ¬ĽPferd¬ę zusammengesetzte Namen sind recht h√§ufig, einen solchen tr√§gt auch sein sp√§terer G√∂nner, der Kavi Wischtaspa, wohl ¬Ľder mit ungeschirrten Pferden¬ę.
 
Zarathustra berichtet von sich selbst, dass er Priester gewesen sei. Als solcher wird er zun√§chst im Dienste der alten indoarischen G√∂tter gestanden haben. Wie die sp√§tere zoroastrische √úberlieferung zu berichten wei√ü, soll er dann mit 30 Jahren zum Propheten berufen worden sein. Seine Ges√§nge lassen erkennen, dass ihm ein Engel erschienen sei und ihn √ľber das Reich Gottes belehrt habe. Diese neue Lehre, die er mit ganzer Kraft fortan verk√ľndete, scheint seiner Umwelt gar nicht gefallen zu haben. Schon diese Tatsache deutet darauf hin, dass sie grundverschieden gewesen sein muss von allem, was man bis dahin gewohnt war. Zarathustra musste schlie√ülich fliehen. Nach abenteuerlicher Flucht mitten im Winter kam der Prophet schlie√ülich in eine Gegend, in der seiner Lehre mehr Erfolg beschieden sein sollte. Dort gelang es ihm, den Kavi Wischtaspa zu bekehren, und von ihm wurde er fortan wirkungsvoll unterst√ľtzt. Der Titel Kavi, den sowohl Priester als auch Helden trugen, zeigt, dass sein M√§zen eine einflussreiche Rolle in der Gesellschaft innehatte.
 
Doch wo hatte sich all dieses zugetragen? Die Sprache des Avesta deutet darauf hin, dass der Prophet im Osten Irans gelebt haben muss, denn sie steht zwischen dem Altindischen und dem Altpersischen. Man konnte noch verschiedene W√∂rter des 11. und 13. Jahrhunderts aus Chorasmien (Charism), der Landschaft √∂stlich des Kaspischen Meeres bis hin nach Baktrien und an den gro√üen Oxusstrom (Amudarja), mit solchen des Avesta vergleichen. In der Tat siedelt auch die zoroastrische Tradition ihren Propheten in jenem Gebiet an. Eine besondere Rolle spielt dabei eine Zypresse, die Zarathustra selbst gepflanzt haben soll, zur Erinnerung daran, dass es ihm gelungen war, den Kavi Wischtaspa zum guten Glauben zu bekehren. Davon wei√ü noch der Dichter Firdausi zu berichten, der um 1000 n. Chr. das gewaltige iranische Nationalepos, das Schah-Name, das ¬ĽBuch der K√∂nige¬ę, geschrieben hat. Dieser Baum soll ganz hoch und m√§chtig gewachsen und dann als ¬ĽZypresse von Keschmar¬ę bekannt geworden sein. In der Tat gibt es noch heute ein kleines D√∂rfchen dieses Namens, allerdings ist dort keine Zypresse zu finden. Von ihrem Verbleib wei√ü aber das Dabestan, ein Moralkompendium, das im 17. Jahrhundert im Reich der indischen Gro√ümoguln verfasst worden ist, zu berichten: Der arabische Kalif Al-Mutawakkil, der gerade an seiner neuen Residenz in Samarra n√∂rdlich von Bagdad gebaut habe, habe befohlen, den riesigen Baum Zarathustras zu f√§llen und nach Bagdad zu bringen. Vergebens h√§tten die Zoroastrier 50000 Goldst√ľcke geboten, um die Zypresse zu schonen. Als indessen der Baum nur noch eine Tagereise von Samarra entfernt gewesen sei, h√§tten seine eigenen Wachen den Kalifen ermordet. Seit dem Pflanzen der Zypresse seien 1450 Jahre vergangen gewesen.
 
Der Kalif Al-Mutawakkil ist im Dezember 861 gestorben. Demnach m√ľsste die Zypresse im Jahre 589 v. Chr. gepflanzt worden sein. Wie weit ist aber einer so sp√§ten Quelle zu trauen? Auch die zoroastrische Tradition hat ein Datum √ľberliefert. Sie nennt ein ¬ĽJahr Zarathustras¬ę, das ¬Ľ258 Jahre vor Alexander¬ę liege. Der Makedonenk√∂nig Alexander der Gro√üe hatte ja in einem atemberaubenden Feldzug das riesige Weltreich der Ach√§meniden √ľberrannt und ihm damit ein Ende bereitet. Die glanzvolle Hauptstadt Persepolis ging in Flammen auf. Das war im Jahre 330 v. Chr. Rechnen wir von diesem entscheidenden Datum nun 258 Jahre zur√ľck, erhalten wir das Jahr 588 v. Chr., also nur ein Jahr Unterschied zu der √úberlieferung des Dabestans! Doch sind keineswegs alle Forscher bereit, dieses Datum zu akzeptieren. Die Argumente dagegen sind unterschiedlich. So meinte man beispielsweise, aus der Bedeutung des avestischen Wortes asman, das sowohl f√ľr ¬ĽHimmel¬ę wie auch f√ľr ¬ĽStein¬ę gebraucht wird, entnehmen zu k√∂nnen, Zarathustra habe in der Steinzeit gelebt; als Datum wurde das 2. Jahrtausend v. Chr. angesetzt, jedenfalls die Zeit vor 1200 v. Chr., ehe die Arier nach S√ľden gewandert seien. F√ľr eine derartige Vermutung geben die Texte aber keinerlei Anhaltspunkte. Au√üerdem bef√§nden wir uns zu dem vorgeschlagenen Zeitpunkt keinesfalls in der Stein-, sondern mitten in der reifen Bronzezeit. Andere Gelehrte versuchen, Anhaltspunkte f√ľr einen fr√ľheren Ansatz Zarathustras aus der Sprache der Gathas zu gewinnen. Diese zeige eine weit fr√ľhere Entwicklungsstufe als das Altpersische, das uns durch die Inschriften der Ach√§menidenk√∂nige erhalten ist. Beide m√ľssten deshalb durch einige Jahrhunderte voneinander getrennt sein; dadurch kommt man zu einem Ansatz Zarathustras am Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Dagegen m√ľsste man allerdings ber√ľcksichtigen, dass sicher in verschiedenen Gegenden des gro√üen iranischen Reiches die Dialekte eine unterschiedliche Entwicklung genommen haben. Zudem wird man verschiedene Gattungen der Literatur in unterschiedlicher Weise abgefasst haben, also religi√∂se Ges√§nge m√∂glicherweise in einer bewusst altert√ľmlichen Form, K√∂nigsinschriften hingegen in ¬Ľmodernerer¬ę Sprache.
 
Wie wir im Folgenden sehen werden, sprechen au√üer der √úberlieferung von der Zypresse, die Zarathustra selbst gepflanzt haben soll, und dem Datum der zoroastrischen Tradition weitere Anhaltspunkte daf√ľr, dass Zarathustra am Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. seine Lehre verk√ľndet hat.
 
Das Weltreich der Ach√§meniden: Waren ihre fr√ľhen K√∂nige Anh√§nger der Lehre Zarathustras?
 
Der h√∂chste Gott in jener Religion, die von Zarathustra begr√ľndet wurde, war Ahura Masda, der Sch√∂pfer von Himmel und Erde. Neben der Betonung dieses einen Gottes ist der wichtigste Aspekt der Lehre Zarathustras der unvereinbare Gegensatz und der daraus sich ergebende st√§ndige Kampf zwischen Wahrheit und L√ľge, das hei√üt zwischen Gut und B√∂se, Licht und Dunkel.
 
Dass die sp√§teren Ach√§meniden Zarathustraanh√§nger waren, legen griechische Quellen nahe, vor allem das, was Herodot f√ľr seine eigene Zeit bezeugt. Sehr kontrovers ist dagegen in der bisherigen Forschung die Frage diskutiert worden, ob auch die fr√ľheren, die ¬Ľgro√üen¬ę Ach√§menidenk√∂nige Zarathustrier waren.
 
Schriftliche Originalquellen erscheinen in der persischen Geschichte erstmals zur Zeit des K√∂nigs Dareios I. (522‚ÄĒ486 v. Chr.). Nachdem er unter gro√üen M√ľhen die Herrschaft gewonnen und einigerma√üen gefestigt hatte, lie√ü er seine Taten am Felsen von Bisutun, an der gro√üen Durchgangsstra√üe von Babylonien zur alten Mederhauptstadt Ekbatana, heute Hamadan, f√ľr die Nachwelt festhalten. Ein gro√ües Relief zeigt den K√∂nig und seine besiegten Gegner, und Inschriften in den drei wichtigsten Sprachen des Weltreichs, Elamisch, Babylonisch und Persisch, geben n√§here Auskunft. Damit haben wir erstmals √ľberhaupt eine altpersische Schrift vor uns, denn K√∂nig Dareios hatte sie eigens zu diesem Zwecke erfinden lassen. Eines wird nun gleich in seiner ersten Inschrift und dann auch in allen weiteren deutlich: F√ľr Dareios gab es nur einen Gott ‚ÄĒ Ahura Masda. W√§hrend dieser Gottesbegriff allerdings in den Ges√§ngen des Zarathustra immer in zwei W√∂rtern geschrieben wird, die auch einzeln im Text auftreten k√∂nnen, ist er von jetzt an stets zu einem einzigen Wort verschmolzen. Dareios bekennt sich eindeutig zu seinem Gott und hebt hervor, dass er nur ihm sein Leben und auch die Herrschaft zu verdanken hat. Dennoch sind mehrfach Zweifel ge√§u√üert worden, ob die Ach√§meniden √ľberhaupt von Zarathustra gewusst h√§tten.
 
Weitere Auskunft zu diesem so schwierigen Thema kann man nun an einer Stelle finden, wo dieses niemand erwartet h√§tte. In den Jahren 1933/34 sind n√§mlich in Persepolis, der Hauptstadt des persischen Gro√üreichs, etwa 30000 Keilschriftt√§felchen zutage gekommen, davon ungef√§hr 6000 in recht gutem Erhaltungszustand. Sie stammen zum √ľberwiegenden Teil aus dem Verwaltungsarchiv Dareios'I. Abgefasst sind sie in Elamisch, einer heute noch nicht v√∂llig erschlossenen Sprache. Da die altpersische Schrift ja erst eine neue Erfindung war, hatte sich der K√∂nig f√ľr seine Verwaltung der alteingesessenen Elamer bedient, die schon eine jahrhundertealte Erfahrung in derlei Dingen hatten. Bei den erhaltenen Texten handelt es sich allerdings nur um mehr oder weniger kurze und trockene Verwaltungsvermerke. Doch, im Zusammenhang betrachtet, verm√∂gen sie in vielerlei Hinsicht Auskunft zu geben und Einblick in das t√§gliche Leben und die religi√∂se Umwelt der Bewohner des persischen Kernlandes zu gew√§hren. So verbucht eine Reihe dieser T√§felchen Ausgaben zu Opferzwecken. Aus ihnen erfahren wir, was f√ľr Opfer √ľberhaupt von der Verwaltung vorgesehen waren, f√ľr wen diese Opfer bestimmt waren, wann sie ausgegeben wurden und wer sie in Empfang nahm.
 
Betrachtet man alle diese Detailangaben, so f√§llt gleich eines auf: Weitaus am h√§ufigsten begegnet eine Opferart, die als ¬Ľlan¬ę bezeichnet ist. Dieses ist ein elamisches Wort, das urspr√ľnglich ¬Ľg√∂ttliche Gegenwart¬ę bedeutete, dann aber ganz konkret f√ľr ¬ĽKultopfer¬ę gebraucht wurde. Doch niemals findet sich eine Angabe, f√ľr wen dieses Kultopfer eigentlich bestimmt war. Offensichtlich war das f√ľr jeden Bewohner des Perserreiches v√∂llig klar und bedurfte keiner n√§heren Erl√§uterung. Mit etwas detektivischem Scharfsinn kann man aber auch heute noch herausfinden, f√ľr wen dieses Opfer bestimmt war.
 
So werden nur f√ľr dieses Lanopfer von der ach√§menidischen Verwaltung ganz regelm√§√üig Zuteilungen ausgegeben, Monat f√ľr Monat. In der Regel handelt es sich um 30l Gerste oder Mehl und 10l Wein pro Monat. Das erg√§be einen t√§glichen Opferbetrag von 1l Mehl und 1/3 l Wein. Teilweise wurde der Wein wohl auch durch Fr√ľchte ersetzt. Diese Ausgaben werden des √Ėfteren als ¬ĽRationen¬ę bezeichnet, ganz genauso wie die Rationen der Arbeiter, die sie als Bezahlung erhalten. Einige Male ist in Verbindung mit dem Lanopfer ‚ÄĒ und nur bei ihm ‚ÄĒ auch von ¬ĽRationen des K√∂nigs¬ę die Rede. Der K√∂nig hatte also ein ganz besonderes Interesse an diesem Opfer und hatte die Zuteilungen daf√ľr h√∂chstpers√∂nlich angeordnet. F√ľr ihn aber gab es, wie aus seinen Inschriften hervorgeht, nur einen einzigen Gott. Somit d√ľrfen wir wohl annehmen, dass kein anderer als Ahura Masda der Empf√§nger des Lanopfers war.
 
F√ľr diese Annahme findet man dann auch noch weitere Best√§tigungen. So ist das Lanopfer die einzige Opferart, die im gesamten Bereich der Persis anzutreffen ist, w√§hrend es in dem alten elamischen Kulturland um die Hauptstadt Susa herum nur noch in zwei F√§llen belegt ist. Einen noch deutlicheren Hinweis geben uns die Titel der Priester. Es treten n√§mlich Priester auf, die als ¬ĽFeuersch√ľrer¬ę bezeichnet sind, und diese Priester sind ausschlie√ülich f√ľr das Lanopfer zust√§ndig. Die besondere Rolle, die das Feuer im Zoroastrismus spielt, hat ja dazu gef√ľhrt, dass man die Anh√§nger dieser Lehre sogar als ¬ĽFeueranbeter¬ę beschimpft hat. Abgesehen davon, welche Rolle das Feuer im sp√§teren Kult spielt, geht seine Bedeutung schon sehr klar aus den Ges√§ngen Zarathustras hervor. So antwortet er beispielsweise auf die Frage ¬ĽWem willst du dienen?¬ę ‚ÄĒ ¬ĽDeinem Feuer!¬ę (Yasna 43, Vers 9).
 
Wenn wir hier also Priester antreffen, deren Titel deutlich zu verstehen gibt, dass sie f√ľr das Kultfeuer verantwortlich sind, und diese ausschlie√ülich f√ľr das Lanopfer zust√§ndig sind, das seinerseits auf besondere Anweisung des K√∂nigs regelm√§√üige Zuteilungen erh√§lt, so schlie√üt sich hier der Argumentationskreis. Das Lanopfer war somit das offizielle Staatsopfer f√ľr Ahura Masda, den von Zarathustra verk√ľndeten Gott.
 
¬ĽDer gro√üe Gott ist Ahura Masda, der gr√∂√üte der G√∂tter¬ę, sagt Dareios
 
L√§sst sich auf der einen Seite also klar ein offizielles ¬ĽStaatsopfer¬ę herausarbeiten, so werden weiterhin doch noch einige G√∂tter ebenfalls mit Opferzuteilungen bedacht. Dies geschieht jedoch nur vereinzelt und ist jeweils nur auf einen engen geographischen Raum beschr√§nkt. Unter diesen G√∂ttern befinden sich der medische Gott Zurvan, der im sp√§teren Avesta als Gott der unendlichen Zeit auftritt, oder der avestische G√∂tterbote Nairyosanha. Am h√§ufigsten ist eine Bezeichnung ¬ĽAlle G√∂tter¬ę (Visai Baga) zu finden. Nun k√∂nnte man zun√§chst meinen, dass damit in der Tat alle G√∂tter zusammengefasst sind. Doch zeigt die Art ihres Auftretens, wie sie beispielsweise in Aufz√§hlungen gleichberechtigt neben andere G√∂tternamen gestellt werden, dass es sich hierbei um eine bestimmte Gruppe handeln muss. Schon im Indischen gab es eine solche G√∂ttergruppe mit der gleichen Bezeichnung, indisch Vischve Deva. Die altindischen Devas, ¬ĽG√∂tter¬ę, wurden infolge der Lehre Zarathustras fortan als b√∂se Geister angesehen. Der iranische Gottesbegriff ist stattdessen baga. Somit w√§re Visai Baga eine genaue √úbersetzung des alten Begriffes. Wen man sich zur Zeit der Ach√§meniden darunter vorstellte, wird nie gesagt. Ob dieses vielleicht eine Zusammenfassung der ¬ĽHeiligen Unsterblichen¬ę, der Ahura Masda unterst√ľtzenden guten Geister war?
 
In einem einzigen Verwaltungsbezirk der Persis, westlich von Persepolis gelegen, treffen wir auf die Verehrung von Fl√ľssen und Bergen. Dort gibt es auch in der Tat ganz besonders hohe Berge und bedeutende Fl√ľsse, die wohl schon in alten Zeiten eine g√∂ttliche Verehrung hervorgerufen haben m√ľssen. Sogar elamische G√∂tter wie Humban und Napirischa oder der babylonische Wettergott Adad erhalten von der ach√§menidischen Verwaltung Opferzuteilungen. Sie sind aber ganz selten und vorwiegend im Gebiet der Elymais, Richtung Susa, anzutreffen.
 
Keiner dieser G√∂tter bekommt indessen regelm√§√üige Opfer, und oft handelt es sich um Zuteilungen f√ľr besondere Feste, die nur einmal im Jahr stattfanden. Es muss jeweils ein gro√ües Volksfest gewesen sein, auf dem man nach dem feierlichen Teil die Opferkuchen und den Wein gemeinsam verspeiste.
 
Aus all diesem gewinnt man den Eindruck, dass die Verwaltung unter Dareios I. recht tolerant war und sogar fremdl√§ndische G√∂tter mit Zuteilungen bedachte. Umso auff√§lliger ist es, dass Mithra nicht ein einziges Mal in irgendeiner Weise auftritt. Auch wurden keinerlei Tiere f√ľr Schlachtopfer ausgegeben. Elamische Priester, f√ľr die eines ihrer wichtigsten Opferfeste ein althergebrachtes Schlachtopfer war, konnten nur durch Tauschgesch√§fte in den Besitz der begehrten Tiere gelangen. Hier wird also deutlich, dass die religi√∂se Toleranz Grenzen hatte, und zwar genau in den beiden Punkten, die Zarathustra besonders wichtig gewesen waren, n√§mlich der Mithrasverehrung und dem Schlachtopferkult.
 
Die Magier ‚ÄĒ Vertreter der Lehre Zarathustras oder unheimliche Schwarzk√ľnstler?
 
Als die prominentesten Vertreter der zoroastrischen Lehre gelten die Magier. Sie haben Eingang gefunden in die Bibel, indem sie die weite Reise aus dem Osten auf sich nahmen, um dem Christuskind ihre Verehrung darzubringen (Matth√§us 2,1‚ÄĒ12). Andererseits schwingt in dem Begriff Magier auch immer die Vorstellung von Alchimisten und Zauberern mit. Als solche begegnen sie uns zum Beispiel in der orientalischen M√§rchensammlung ¬ĽTausendundeine Nacht¬ę. Unter den sassanidischen K√∂nigen, die im 3. Jahrhundert n. Chr. an die Regierung kamen, hatten die Magier den H√∂hepunkt ihrer Macht erreicht. Gegen die heftige Konkurrenz von Christentum und Manich√§ismus gelang es ihnen, den Zoroastrismus zur alles beherrschenden Staatsreligion zu machen; durch ihren Einfluss auf die Herrscher lenkten sie die Staatsgeschicke. Doch wie sah es zur Zeit des K√∂nigs Dareios I. aus?
 
Auch auf den Verwaltungst√§felchen begegnen uns die Magier. Dort sind sie zust√§ndig f√ľr altiranische Gottheiten. Mehrfach indessen ist noch ein weiterer Titel hinzugef√ľgt, n√§mlich lanlirira, ¬ĽKultopferausf√ľhrer¬ę, oder atarwachscha, ¬ĽFeuersch√ľrer¬ę. Die Magier konnten also auch das offizielle Opfer, das Lanopfer, f√ľr Ahura Masda vornehmen. Dass man diese Bezeichnungen dem Titel Magier noch hinzuf√ľgte, zeigt aber, dass eine solche Aufgabe nicht von Hause aus in den Zust√§ndigkeitsbereich eines Magiers geh√∂rte.
 
In seiner gro√üen Inschrift in Bisutun berichtet Dareios von dem Magier Gaumata, der zeitweilig die Herrschaft an sich gerissen hatte. Dieser hatte auch ¬Ľheilige St√§tten¬ę zerst√∂rt, die dann von Dareios wieder hergerichtet wurden. Da ein Magier kaum St√§tten seiner eigenen T√§tigkeit zerst√∂ren w√ľrde, spricht diese Tat f√ľr einen urspr√ľnglich heftigen Gegensatz in den Glaubensvorstellungen. Der griechische Schriftsteller Herodot √ľberliefert, die Magier seien eine medische Priestersippe gewesen. Dazu passt auch gut, dass sie laut Aussage der Verwaltungst√§felchen f√ľr altiranische G√∂tter zust√§ndig waren. Doch au√üerdem zelebrierten sie, wie wir sahen, zur Zeit des Dareios auch das Lanopfer. Offensichtlich haben sich also die klugen Magier angepasst. Als sie Gefahr liefen, jeglichen Einfluss zu verlieren, akzeptierten sie notgedrungen die vom K√∂nig bevorzugte neue Glaubensrichtung. Auf diese Weise gelang es ihnen dann, schon recht bald ihre alten Vorstellungen wieder mit einzubringen und die Lehre Zarathustras mehr und mehr zu verf√§lschen. So kommt es, dass bereits der Ach√§menidenk√∂nig Artaxerxes II. (405‚ÄĒ359 v. Chr.) den von Zarathustra am heftigsten bek√§mpften Gott Mithra und auch die G√∂ttin Anahita v√∂llig gleichberechtigt neben Ahura Masda stellt.
 
Religion und Herrschaft ‚ÄĒ Die Wirkung Zarathustras unter der Herrschaft Dareios'I.
 
Nach dem Willen Ahura Masdas bin ich so geartet, dass ich das Recht liebe, das Unrecht hasse. Ich will nicht haben, dass der Schwache des Starken wegen Unrecht leide; aber ich will auch nicht, dass der Starke des Schwachen wegen Unrecht erleide. Was recht ist, daran habe ich Gefallen. Einem l√ľgnerischen Menschen bin ich nicht Freund.¬ę Erinnern diese Worte, die aus der Grabinschrift des Dareios in Naksch-e Rostam stammen, nicht unmittelbar an die Aussagen Zarathustras, an seinen Kampf f√ľr das Recht und gegen die L√ľgenknechte?
 
Doch Dareios hat es offenbar nicht mit Worten bewenden lassen. Dem reichen Material der Verwaltungst√§felchen k√∂nnen wir auch entnehmen, dass der K√∂nig sich in ganz unerwarteter Weise f√ľr die sozialen Belange seiner Untertanen eingesetzt und besonders auch f√ľr die Schwachen gesorgt hat. So erhielten beispielsweise stillende M√ľtter nicht nur Sonderzulagen, sondern auch einen ¬ĽMutterschaftsurlaub¬ę. ¬ĽHalte nicht das f√ľr vortrefflich, was der M√§chtige tut; was der Schwache leistet, das beachte vielmehr!¬ę, solche Aussagen eines Herrschers um 500 v. Chr. sind revolution√§r. Sie f√ľgen sich aber gut ein in das Bild, das wir von der Lehre Zarathustras gewinnen konnten. Der K√∂nig nahm es also ernst mit dieser Lehre, und sie erscheint hier noch v√∂llig unverf√§lscht und im Einklang mit dem Propheten Zarathustra.
 
Und noch einmal die Frage: Wann hat Zarathustra gelebt?
 
Wie wir in den vorhergehenden Abschnitten dieser Darstellung gesehen haben, scheint Zarathustras Lehre in vielerlei Hinsicht Auswirkungen auf das religi√∂se und kulturelle Leben zur Zeit des K√∂nigs Dareios I. gehabt zu haben. Und damit m√ľssen wir uns noch einmal der Frage zuwenden, wann denn nun wohl der Prophet Zarathustra seine Lehre verk√ľndet hat. Wie f√ľgen sich die verschiedenen Ans√§tze historisch in das Bild? Kann man allen Ernstes annehmen, dass Zarathustra im 2. oder auch zu Beginn des 1. Jahrtausends gelebt hat und seine Lehre bereits seit Jahrhunderten in einem fernen Winkel des Weltgeschehens tradiert wurde, ehe sie dann von den Ach√§menidenk√∂nigen aufgegriffen wurde? Wo h√§tten wir in der Geschichte eine Religion, die sich √ľber einen so langen Zeitraum v√∂llig unver√§ndert erhalten h√§tte? Aus historischer Sicht w√ľrde dagegen ein Datum, wie es die zoroastrische Tradition √ľberliefert, sehr gut in das Bild passen. Demnach h√§tte Zarathustra am Ende des 7. und zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. gelebt. Mit der Eroberung des Mederreiches und der Ausdehnung seines Herrschaftsbereiches k√∂nnte Kyros II. (559‚ÄĒ530 v. Chr.) mit der neuen Glaubenslehre, die im Osten die Gem√ľter bewegte, in Verbindung gekommen sein. Jedenfalls zeigt es sich, dass die zarathustrische Lehre unter K√∂nig Dareios I. (522‚ÄĒ486 v. Chr.) noch rein und unverf√§lscht ist. Doch bereits unter seinem Sohn und Nachfolger Xerxes I. (486‚ÄĒ465 v. Chr.) setzt eine kultische Verh√§rtung ein, und ein Jahrhundert sp√§ter haben sich nicht nur der vom Propheten so heftig befehdete Mithra, sondern auch der zu seinem Kult geh√∂rige Haoma-Rauschtrank wieder eingeschlichen. Fortan waren die Magier eifrig bem√ľht, diese Verf√§lschungen ‚ÄĒ und weitere ‚ÄĒ in immer neuen Schriften auch theologisch zu rechtfertigen.
 
Prof. Dr. Heidemarie Koch
 
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Iran unter den Parthern und Sassaniden
 
 
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Zwischen Persepolis und Firuzabad. Gr√§ber, Pal√§ste und Felsreliefs im alten Persien, bearbeitet von Leo Tr√ľmpelmann. Herausgegeben von Manijeh Abka'i-Khavariund Dietrich Berndt. Neuausgabe Mainz 1992.

Universal-Lexikon. 2012.

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